Kranksein auf Reisen

von root

Kaum, daß wir in Ecuador angekommen sind, waren wir schon an Tag 2 in der Werkstatt. Geplant, nicht überraschend, denn wir wußten um unsere diversen Probleme, die hauptsächlich durch die frühere Verschiffung entstanden sind. Und da wir uns um „Patshas Gesundheit“ kümmern, paßt vielleicht unser jetziger Bericht zu „Kranksein auf Reisen“ zum aktuellen Anlaß.

Ein Grund, warum wir „so früh“ mit unserer jetzigen Art, zu reisen, angefangen haben, ist: Man wird (normalerweise) mit dem Alter nicht fitter. Jetzt reisen wir zwar nicht unbequem, aber die permanente Mobilität, die klimatischen Veränderungen, die immerwährenden Anpassungen an ein neues Land und auch dessen Küche erfordern doch einige Kondition und auch geistige Fitness. Aus diesem Grund wollten wir nicht bis zur (regulären) Rente warten und haben uns zudem für einen „frühen“ Start in Nordamerika entschieden, denn generell wird es für jene Länder ab 50…55 sehr viel teurer, und ab 65 Jahren sogar ganz schwer, dort eine Krankenversicherung zu bekommen. Wir haben uns für eine Auslandskrankenversicherung entschieden (Infos HIER), da wir „ein gebranntes Kind“ sind. Andere Reisende, die wir kennen, fahren komplett ohne, aber wenn man in Kanada oder den USA einen Arzt aufsuchen muß, oder gar ins Krankenhaus muß, dann wird es teuer, richtig teuer! Wir wissen dies aus eigener Erfahrung von unserem früheren Alaska-Urlaub, wo wir einen Nottransport vom Dalton Highway in Anspruch nehmen mußten. Als wir die Rechnung dann zu Hause in Deutschland bekamen, sind wir bleich geworden. Größenordnung: Ein Mittelklassewagen! Hätten wir dies aus eigener Tasche bezahlen müssen, wäre dies nicht ohne gewesen. Und so hatten wir auch bereits auf unserer Reise in den USA eine Rechnung für eine „normale Kortisoninjektion“ von ca. 2800 € – kein Schreibfehler! Insofern gehören wir zu jenen Reisenden, die lieber mit einer guten Krankenversicherung unterwegs sind. Die normalen in Deutschland übernehmen nur Auslandsreisen von bis zu 90 Tagen im Jahr, insofern muß schon eine richtige Auslandskrankenversicherung her.

Insbesondere in Kanada und den USA ist man oft „remote unterwegs“ und fernab der Zivilisation. Es kann da schon sein, daß man 2-4 Tage braucht, um wieder in einen Ort mit ärztlicher Versorgung zu gelangen. Aber auch in dichter besiedelten Gebieten wie Zentralamerika ist man manchmal auch viele Stunden auf unwegsamer Piste von einer ärztlichen Betreuung entfernt, so daß es einerseits gut ist, nicht alleine unterwegs zu sein – der Partner sollte am besten auch das eigene WoMo fahren können -, andererseits macht es Sinn, wichtige Medikamente an Bord zu haben; geschweige denn, mal einen Erste-Hilfe-Kurs besucht zu haben. Auch ist eine Internetverfügbarkeit durch z.B. ein satellitengesteuertes System von Vorteil, wenn man sich im Internet schlau machen will, oder aber auch Hilfe rufen muß (da ein Funknetz oft in der Pampa nicht vorhanden ist).

Unsere Erfahrung bzgl.:

Medikamenten: Wir sind mit einer gut ausgestatteten Reiseapotheke gestartet. Insbesondere Schmerzmittel, Gelenksalben und Nasenspray haben wir gebraucht, neben einer hilfreichen Wärmflasche; den Rest eigentlich weniger. Bei spezifischen Anlässen haben wir uns in lokalen Apotheken – es gab auch vieles im Walmart – bedient; manchmal brauchten wir hierfür ein Rezept. In Mexiko wird letzteres nicht immer so eng gesehen… Die Preise für Medikamente sind ähnlich wie in Deutschland; manchmal gibt es Großpackungen – damals in den USA sehr üblich. Beim Nasenspray haben wir jedoch schlechte Erfahrungen gemacht, denn die Produkte, die es in Kanada, USA und auch Mexiko gab, machen aufgrund den dortigen Wirkstoffen abhängig. Es hat sehr viel Disziplin und einige Monate gebraucht, sich dieses wieder abzugewöhnen, denn die Schleimhäute schwellen ohne Nasenspray direkt wieder an und die Nase wird – auch ohne Schnupfen – dicht. Die Wirkstoffe, die in Deutschland verwendet werden, wären besser gewesen, waren aber nicht verfügbar.

Apotheken: In Kanada und den USA gibt es (fast) alles im Walmart, und diese sind immer leicht anzusteuern. In Mexiko ist die Dichte an Apotheken genauso hoch wie die der Tankstellen; insofern sind normale Medikamente kein Problem. Jedoch scheinen Medikamente bzw. Gesundheitsprodukte, die man in Deutschland in der Drogerie bekommt, hier schwerer verfügbar. In Kolumbien haben wir zwar auch einige Apotheken gesehen, aber nicht so häufig wie damals in Mexiko. Hat man also eine gut ausgestattete Reise-Apotheke und braucht diese nur hin und wieder aufzustocken, so war es für uns in den von uns bereisten Ländern bislang kein Problem. Jedoch muß man bedenken: Bei einer Verschiffung zwischen Nord- und Südamerika wird im Normalfall nur ein Erste-Hilfe-Kit akzeptiert. Auch wenn dies in unserem Fall großzügig ausgelegt wurde, wollten wir kein Risiko eingehen und haben diese im Flieger über’s Darien Gap mitgenommen. Für alle rezeptpflichtigen Medikamente muß man – sofern man diese im Fahrzeug belassen möchte – ein Rezept haben!  Generelle Anmerkung unsererseits: Obige Aussagen bzgl. Medikamentenverfügbarkeit gelten natürlich nicht für spezielle Medikamente, die man aufgrund spezieller Lebensumstände permanent benötigt. Hierfür fehlen uns eigene Erfahrungen.

Ärzte: Die Qualität der Ärzte in den von uns besuchten Ländern unterschied sich nicht von denen in Deutschland: Es gab gute und schlechte darunter. Manche nahmen sich viel Zeit, bei anderen wurden wir in der Lobby abgefertigt – ok., dies wäre alleinig aus Datenschutzgründen in Deutschland schon ein NoGo. Termine waren immer recht kurzfristig zu bekommen; manchmal sind wir auch einfach hingefahren, wenn es ein Notfall war. Auch wenn wir mal in staatlichen Krankenhäusern waren, so sind doch private zu bevorzugen. Allein aus hygienischen Gründen. Viele Amerikaner fahren über die Grenze nach Mexiko, um sich ihre Zähne machen zu lassen. Wir haben hier zwar keine Erfahrung gemacht, aber von anderen Reisenden wissen wir, daß dies eine gute Option ist – vielleicht auch nur für eine sinnvolle Zahnreinigung. Da i.d.R. keine Empfehlungen hinsichtlich Ärzten unter Reisenden ausgetauscht werden – zumindest haben wir bis auf ganz wenige Ausnahmen hier nichts erhalten oder erbeten -, haben wir zumeist im Internet nach Ärzten gesucht und auf entsprechende Rezessionen geachtet. Aber wie gesagt, dies ist keine Garantie für eine medizinische Kompetenz. Problematisch empfanden wir, wenn man mit ein- und demselben gesundheitlichen Schaden von einem Arzt zum nächsten muß – aufgrund der Mobilität beim Reisen. So muß man die Krankengeschichte immer wieder erzählen, und Erfahrungen des vorherigen Arztes gehen verloren. Im seltensten Fall empfinden wir dies als eine Chance auf eine adäquate oder bessere Behandlung.

Ausstattung: Ein Röntgengerät schien in Nordamerika „jeder“ Arzt zu haben. Aber schon bei Ultraschall, geschweige denn MRT, hörte es auf. Ist ein Ultraschallgerät in Deutschland Standard – oder ein Arzt, der ein solches besitzt, nicht weit -, kann man in Kanada und den USA sprichwörtlich danach suchen. Keine Ahnung, warum, aber rückblickend hätte dies in unserem Fall die eine oder andere Fehldiagnose vermieden. Generell wirkte es auf uns so, als ob Arztpraxen eher rudimentär ausgestattet sind (Nord- und Zentralamerika) – im Vergleich zu Deutschland. Während man zuhause große Wartezimmer und eine gute Rezeption gewohnt ist, kann es einem im Ausland schon mal passieren, daß man sich wie am „Ticketschalter“ fühlt.

Rechnung und Kosten: Die Kosten in Kanada und den USA sind gigantisch hoch. Aber auch unsere ärztlichen Kosten in Mexiko lagen immer deutlich über denen in Deutschland. Vielleicht lag es auch daran, daß diese in erster Linie Expats als Kunden hatten, denn Mexikaner. Insofern möchten wir nicht ohne Auslandskrankenversicherung unterwegs sein. Wir haben immer eine Rechnung erhalten; manchmal war diese auch handgeschrieben. Wir mußten jedoch immer darauf achten und drängen, daß die für unsere Auslandskrankenversicherung notwendigen Angaben darauf vermerkt sind. Der Standard, der diesbzgl. in Deutschland herrscht, ist im Ausland nicht gegeben.

Krankheitsarten: Wir möchten uns hier nicht anmaßen, beurteilen zu können, ob man unterwegs mehr oder weniger krank werden kann, als zuhause. Aber natürlich ist es so, daß manche Krankheiten länderspezifisch sind (insbesondere Infektionskrankheiten (Magen/Darm o.ä.), Tropenkrankheiten, usw.). Ohne jetzt auf unsere Krankheiten seit Reisebeginn eingehen zu wollen, meinen wir, daß wir jene auch hätten in Deutschland oder auf normalen Urlaubsreisen bekommen können.

Krankheit im rollenden Zuhause: Wir möchten uns nicht ausmalen, wie es ist, als Backpacker krank zu werden. Wir haben immer noch unseren Wohnkoffer als Rückzugsort. Aber: Mit Fieber im heißen Wohnkoffer zu liegen, mit Rückenproblemen ins höhere Bett krabbeln zu müssen, oder mit einer Verletzung des Bewegungsapparates die Treppe zum Wohnkoffer, oder gar ins Fahrerhaus erklimmen zu müssen, dies alles ist nicht leicht. Dann noch auf engstem Raum zu zweit zu leben, wobei ein wirklicher Rückzugsort für den Kranken fehlt, oder man genau in jenem Moment an einem belebten, lauten Stellplatz steht, kann zur enormen Belastung werden.

All‘ dies soll jedoch bitte keinen davon abhalten, auf Reise zu gehen. Man erkennt zwar erst „aus der Ferne“, wie gut das deutsche Gesundheitssystem ist, aber dies heißt nicht, daß man im Ausland „verloren ist“. Zumal es ja auch viele verschiedene Möglichkeiten gibt, sich generell fit zu halten. Aber dies wäre mal Stoff für einen neuen Beitrag.

(Musik von: https://www.musicfox.com/)

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