Wir sind nicht das erste Mal in der Höhe, aber das erste Mal zusammen mit unserer „Maschine“, d.h. Patsha und wir. In früheren Urlauben sind wir schon mal bis auf 4200 m gewandert, oder mit Mietwägen bis auf 5000 m gefahren. Geschlafen hatten wir schon auf über 4000 m – mehr oder weniger gut. Aber wie erging es uns jetzt, zusammen mit unserem Zuhause? Ein kleiner Erfahrungsbericht, versehen auch mit dem einen oder anderen Tipp für Dich. Wichtige Klausel: Wir benennen die Marken unserer Geräte, um zu sagen, was wir getestet haben; wir erhalten dafür keinerlei Provision o.ä. von den Herstellern.
Wir: Die erste Nacht am Cotopaxi war schon etwas unruhig. Auf ca. 3800 m Höhe fiel der Schlaf in der ersten Nacht etwas schwer, aber ab dann ging es eigentlich. Die Kopfschmerzen hielten sich in Grenzen, aber man merkte schon deutlich, daß das Herz schneller schlug, und man hörte das Blut in den Ohren pulsieren. Ab und an ein tieferer Atemzug, aber nichts wirklich Bedrohliches. Später, auf ca. 4300 m Höhe, erging es uns ähnlich. Wirklich akklimatisiert empfanden wir uns damals noch nicht, da es auch immer wieder runter, unter 3000 m, ging. Wichtig ist, keine Mittel, die Paracetamol und Koffein enthalten, gegen Kopfschmerzen zu nehmen, denn diese können zu erhöhtem Herzrasen führen. Und natürlich, wenn man wirklich ernsthafte Symptome der Höhenkrankheit spüren würde, dann sofort runter bis unter 2500 m fahren. Dies ist wohl eine kritische Grenze. Glücklicherweise war dies bei uns bis jetzt nicht der Fall.
Patshas Wohnkoffer:
Wasserpumpe: Unserer Shurflo Wasserpumpe Soft merkte man die Höhe nicht an. Sie brummelte wie gewohnt vor sich hin und funktioniert seit unserer neulichen Einstellung nach der Verschiffung tadellos. Auch unsere Katadynfilter sind mittlerweile nach der 5.ten Abdichtung dicht. Da sind wir doch etwas stolz auf uns. 😉
Boiler: Wasser kocht in größeren Höhen bei einem niedrigeren Siedepunkt, wird dennoch nicht heißer. Daher dachten wir, daß dies für unseren Isotherm Boiler kein Problem sein sollte, aber: Nach 1x Aufheizen schlägt das Sicherheitsthermostat vom Boiler zu. Getestet auf 3800 m Höhe. Auf Nachfrage erhielten wir vom Hersteller die Antwort, daß der Boiler nur für den Marine-Bereich, und damit Meereshöhe, freigegeben ist. Ungeachtet dessen gab man uns Hinweise, was wir jetzt prüfen könnten. Wir sind noch dabei. Warum jedoch jenes Sicherheitsventil zuschlug, entbehrt für uns jeglicher Logik. Das Sicherheitsventil ist ein kleiner Pin, den man – hinter einer Abdeckung – wieder reindrücken muß. Umständlich für uns, daran zu kommen, aber zumindest derzeit noch die Lösung. Oder: Kalt duschen. 😉
Gasherd/-ofen: Ab und an schwächelte in einer Höhe ab 3800 m eine unserer 3 Herdflammen. Wir mußten diese dann mit dem Feuerzeug anzünden, aber dann brannte sie. Für den Ofen ist die Luft ab jener Höhe einfach zu wenig, um bei geschlossener Tür zu brennen. Die Flamme ging immer wieder aus. Wir müssen daher die Tür von unserem Thetford Triplex Ofen einen Spalt offen lassen. Hierzu haben wir einfach einen Metall-Löffel dazwischen gesteckt. Aber Vorsicht: Der wird heiß! Bis zu welcher Höhe der Herd final wirklich funktionieren wird, wird sich noch zeigen. Bislang hatten wir diesen bis zu einer Höhe von 4300 m getestet. Von einem anderen Reisenden wissen wir, daß sein Herd – gleiches Modell – bis auf 5200 m funktioniert hatte.
Kühlschrank/Kühlbox: Wir sind begeistert von unserem AEG Kühlschrank und der Engel Kühlbox! Beide funktionieren tadellos bis auf 4400 m Höhe, was wir insbesondere vom Haushaltskühlschrank nicht erwarten durften. Einzig den Thermostat-Regler müssen wir etwas reduzieren, damit die Rückwand nicht voller Eiszapfen hängt. Ansonsten sind wir sehr, sehr erleichtert, daß beide funktionieren.
Klimaanlage: Nach der letzten Reparatur bzw. Befüllung unserer Truma-Klimaanlage (Saphir RC Comfort) haben wir diese nicht mehr angefaßt. Wir haben sie aber auch in jenen Höhen nicht gebraucht, also besser, nichts herbeibeschwören. 😉
Heizung: Wir hatten unsere Eberspächer Heizung – ein Höhenkit ist bei der Airtronic M2 Recreational D4R inkludiert – in der Höhe ausprobiert. Sprang sie bei 3800 m direkt an, brauchte sie auf 4300 m zwei Startversuche, lief dann aber einwandfrei. Es war bei uns nicht so kalt, daß wir sie dann durchgängig in der Nacht gebraucht hätten. Unser Wohnkoffer isoliert sehr gut. Insofern war sie zwar auf Stand-by-Mode, mußte aber nur kurzzeitig laufen.
Fenster: Unseres Wissens sind die KCT Fenster bis auf ca. 4000 m höhengetestet. Das Einzige, was wir bemerkt haben, ist, daß diese in Meereshöhe konvex gewölbt sind, während in großen Höhen sich die Scheiben konkav aufblähen. Beides führt zu merkwürdigen Spiegelungen. Ansonsten schließen alle tadellos und keine Undichtigkeit o.ä. ist ersichtlich.
Sonstiges: Wir haben 2 Thermarest Luftmatratzen in unserer Sitzbank verstaut und diese blähen sich auf. Bevor wir uns also in der Höhe – nachdem wir von niedrigeren Höhenlagen hinaufgefahren sind – auf unsere Bank setzen können, müssen wir erstmal wieder die Luft aus den Matratzen drücken. Andere Behältnisse mit Flüssigkeiten (z.B. Wasserkanister) prüfen wir, denn sie beulen sich aus bzw. ziehen sich zusammen, je nachdem, ob wir hoch- oder runterfahren. Dies hängt vom Luftanteil im Behältnis ab. Unser Wassertank sowie die Abwassertanks haben einen Überlauf, so daß dort die Luft hinein- oder hinausströmen kann. Ein Aufblähen oder Zusammenziehen ist somit nicht der Fall.
Patshas Basisfahrzeug:
Tanks: Unsere Dieseltanks haben zwar in dem Tankdeckel ein Entlüftungsventil, dennoch drückt Diesel in der Höhe hinaus. Wir wollten mal in der Vergangenheit auf jenes Entlüftungsventil verzichten – es gäbe auch Tankdeckel ohne -, jedoch hatte uns Benny v. FRM-Technik zu Recht überzeugt, daß dies technisch keine gute Idee ist. So putzen wir regelmäßig unsere Tanks von außen ab.
Klimaanlage: Die Bergstrom Integral Power II auf unserer Fahrerkabine haben wir in jenen Höhen nicht ausprobiert.
Ventile: Mit Ausnahme von dem Untersetzungsventil (= Ventil direkt unterhalb des Untersetzungsschalters) funktionierten die am Fzg. befindlichen Ventile – so unser grober Eindruck. Das Untersetzungsventil fing jedoch ab einer gewissen Höhe an, abzublasen. Glücklicherweise konnte unser Kompressor den Luftverlust während der Fahrt ausgleichen, so daß wir fahrbereit waren; auch das Einlegen der Untersetzung funktionierte. Nach Motor-Abstellen hatten wir jedoch innerhalb 2-3 Stunden viel Luft in unserem Luftsystem verloren, und das 4-Kreis-Schutzventil hat bei ca. 4.5 bar abgeregelt. Erstmalig bemerkt hatten wir dieses auf 3800 m, aber danach erneut auf 2900 m und auch wieder auf 4300 m. Bei Fahrt in niedrigere Höhen (< 2500 m) trat dieses Phänomen nicht mehr auf. Wir erhielten vom Hersteller Wabco die Antwort, daß unser Ventil nicht für jene Höhen ausgelegt sei. Dt.Parts – hier haben wir uns Ersatz besorgt – schrieb uns, daß dies eventuell ein „normales Verhalten“ in großen Höhen sein könnte, es sei denn, der Luftverlust ist permanent oder gravierend. Es könnte daher auch sein, daß wir altersbedingte Verschleißerscheinungen an Dichtungen o.ä. in jenem Ventil hätten. Wir haben ein neues bestellt und – wir greifen diesem Artikel vorweg: Das Neue ist auch bei 4300 m dicht!
Motorvorwärmung: Es war nie so kalt, daß unser Diesel ausgeflockt ist. Dazu muß man sagen, daß es in Ecuador keinen Winterdiesel gibt. Insofern funktionierte auch unsere Eberspächer Standheizung Hydronic S3 D6L tadellos. Im nächsten Punkt in diesem Bericht seht Ihr auch, warum diese für uns so wichtig ist. Wir hatten die Motorvorwärmung auf einer Höhe von 3800 m und 4300 m getestet. Die Szene im Video, in der wir den Motor auf ca. 4000 m Höhe mit schwarzem Rauch starten, erfolgte ohne Motorvorwärmung. Unsere Flammstartanlage funktioniert – wie bei den meisten 366er Motoren – seit Kauf unserer Feuerwehr nicht.
Motor / Einspritzpumpe: Dies war DER Killer für uns! Patsha war nicht höhentauglich! Hatten wir vor 2 Jahren bereits in einer Höhe von ca. 2800 m im Yellowstone NP gemerkt, daß wir Motoraussetzer hatten, so hatten wir dieses damals mit Zusatz von Cetan Booster in den Griff bekommen. Rückblickend lag es vielleicht „nur“ an der schlechten Diesel-Qualität… Aber diesmal war es eindeutig: Beim Gas-Geben nach Schubbetrieb, insbesondere bei kaltem Motor, hatten wir nicht nur blauen Rauch, sondern richtige Motoraussetzer und sogar Misfire (Explosion im bzw. knapp außerhalb des Abgasrohres von nachverbranntem Diesel). Wir wußten nicht, wie wir „heile“ vom Cotopaxi, von 3800 m, wieder runterkommen sollten. Es war grausam! Damit stand für uns fest: Wenn wir dieses nicht in den Griff kriegen, müssen wir umkehren und zurück verschiffen, denn nur an der Küstenlinie Südamerikas langfahren, wollten wir definitiv nicht. Wir waren sehr frustriert, zumal andere technische Probleme hinzukamen.
Die Details zu unserem Motor-Höhen-Problem und der technischen Lösung haben wir im LN2-Forum detailliert beschrieben: LINK. Zusammengefaßt können wir sagen: Die Brüder David und Edison, vom Ased Laboratorio Diesel in Ambato, waren unsere Rettung!!! Dank ihrer Expertise und ihrem perfekt eingespielten Team wurde unsere Einspritzpumpe nach dem Ausbau auf dem Prüfstand geprüft, und die Mengen entgegen unserer Vermutung auch für diese Höhen als passend bestätigt. Die Lösung war eine Verschiebung des Einspritzbeginns um 3 Grad nach früh, realisiert durch einen veränderten Einbauwinkel der Pumpe. Dieses führt dazu, daß die gleiche Menge Diesel etwas früher eingespritzt wird, und damit die Zeit hat, zu verbrennen. Die Reinigung des Motor-Ansaugtrakts sowie des Ladeluftkühlers durch Luis und seine Söhne (Taller Rosales) in Ibarra war ebenfalls hilfreich, aber keine hinreichende Lösung. Erste Tests in der Höhe (auf 4000 und 4300 m) haben uns jetzt gezeigt: Nach wie vor brauchen wir unsere Vorwärmung bei Motorkaltstart – ohne die geht es nicht! -, aber die oben genannten Probleme sind weg. Wir sind so dankbar und erleichtert! Ein Dankeschön auch an Florian von https://www.vierim4x4.de/ für diesen wertvollen Werkstatttip!
Solltet Ihr jetzt noch Fragen zu unserem Artikel haben, schreibt uns gerne! Bis dahin wünschen wir Euch viel Spaß beim Betrachten unserer Bilder vom imposanten Chimborazo, in dessen Schwindel erregender Umgebung wir unsere Höhentests gemacht hatten!


















































































































































































