Aufgrund der aktuellen, innenpolitischen Situation, als auch den anhaltenden Engpässen in der Spritversorgung, hatten wir uns lange überlegt, ob wir nach Bolivien reisen. War das Netz noch vor kurzem voll von Geschichten Reisender, die in diversen Straßenblockaden „gefangen“ waren, schien es, seit Ausruf des Notstandes, ruhig zu sein. Aber die seit Jahren anhaltenden Probleme hinsichtlich der Spritversorgung blieben. So hatten wir uns überlegt, das Land nicht – wie ursprünglich geplant – in der Westhälfte von La Paz kommend bis nach Argentinien zu kreuzen, sondern den Umweg über Chile zu wählen, um dort einen Loop durch die Lagunenroute bis nach Uyuni zu machen, und dann über Tupiza wieder in Richtung Argentinien auszureisen. So erhofften wir uns, in einer ruhige(re)n Zeit wenigstens zwei Highlights Boliviens entdecken zu können, und mit unseren vollen Tanks aus Chile bis nach Argentinien zu kommen. Und unsere Rechnung ging auf. An dieser Stelle daher der Verweis auf unsere gefahrene Route: HIER, sowie die Anmerkung, daß unser diesmaliges Länderfazit natürlich nur einen ganz kleinen Teil Boliviens abdecken kann.
Beginnen wir also wie gewohnt mit den weniger subjektiven Faktoren:
- Wetter: Nachts eisig, bis -14 °C, tagsüber angenehm temperiert, so daß man auch mal draußen sitzen konnte: Diese Spannweite ist kein Wunder, denn insbesondere auf der Lagunenroute bewegt man sich meistens oberhalb von 3500 m, mit Rekordhöhen von 5000 m. Wir waren bewußt außerhalb der Sommerzeit = Regenzeit unterwegs (unsere Reisezeit: Ende Juli-Mitte August), und deswegen waren jene Temperaturen natürlich normal, aber wir waren schon froh, als wir in Tupiza das Gefühl hatten, daß der Frühling so langsam einsetzt. In der Regenzeit auf dem Salar Uyuni zu fahren, wäre für uns auch einfach zu riskant gewesen. Wir können uns dennoch glücklich schätzen, daß der Schneefall auf der Lagunenroute erst nach uns eingesetzt hat. Irgendwie hatten wir dies gar nicht auf dem Schirm gehabt, nur starke Winde, die man im Blick haben sollte; denn wir dachten, es wäre eigentlich schon Ende der Wintersaison. Aber in diesem Jahr spielte das Wetter nicht nur in Bolivien verrückt, so daß kurze Zeit nach uns nicht nur Teile der Lagunenroute gesperrt waren, sondern auch der Grenzübergang südlich in die Lagunenroute hinein, oder der Paso Jama – der Grenzübergang zwischen Chile und Argentinien, südlich der bolivianischen Grenze. Die Kombi aus „Höhe“ & „Kälte“ hat unserer Wohnkofferheizung übrigens nichts ausgemacht: Sie hat uns ohne Fehlereintrag in der Nacht prima gewärmt. Und zum ersten Mal überhaupt auf unserer Reise haben wir unsere dicken Daunenjacken für den Tag herausgeholt.
- Stellplätze: Außer in Tupiza, wo wir auf einem kleinen Camping waren, standen wir überall frei. Auch wenn dies auf der Lagunenroute zumeist Parkplätze waren, so lagen diese dennoch sehr schön. Kein Wunder, bei dieser beeindruckenden Landschaft! Aber auch auf dem Salar – mmh, wo stellen wir uns denn mal hin? 😉 – und dem weiteren Weg in Richtung Argentinien war das Freistehen kein Problem. Und wir hatten wirklich tolle Plätze, wie Ihr an unseren Fotos in diesem Beitrag sehen könnt.
- Wasser: Da wir nicht so lange in Bolivien waren und wirklich gehaushaltet hatten, haben wir nur 1x Wasser nachgetankt. Dies wäre nicht zwingend erforderlich gewesen, bot sich aber an. Das Wasser auf dem Camping in Tupiza war klar, jedoch faktisch kein Druck vorhanden. Der höchste Druck – vermutlich, weil ansonsten kein weiterer im Ort Wasser nutzte – war gegen Mitternacht. So haben wir knappe 2 Stunden gefüllt, und sind dann hundemüde ins Bett gefallen. Ob dies nur so in Tupiza ist, sondern auch anderswo, können wir daher nicht sagen. Was unser Abwasser angeht: Aufgrund den stark negativen Temperaturen in der Nacht froren natürlich unsere Abwasserleitungen außerhalb des Wohnkoffers zu. Daher war klar, daß wir ab Tag 1 unsere TTT (Trockentrenntoilette) auf „internen Tank“ umgestellt haben, und Spülen und Waschen funktionierte ausschließlich in einem Eimer, den wir anschließend geleert haben.
- Strom: Auf dem Salar de Uyuni waren unseren Batterien schon beim Aufstehen prall gefüllt. 😉 Aber auch in den restlichen Tagen zuvor und danach war unsere Stromversorgung permanent gesichert. Ein Hoch auf unser Stromkonzept und die Sonne in Bolivien.
- Müllentsorgung: Während unserer Zeit auf der Lagunenroute haben wir keinen Mülleimer gesehen. So hieß es das erste Mal für uns: Müll noch kleiner als sonst zusammendrücken, noch besser sortieren, und (kleine) Säcke auch in der Fahrerkabine horten. Die erste Gelegenheit danach haben wir dann direkt genutzt. Auch so hatten wir den Eindruck, daß es – mangels öffentlicher Mülleimer – schwierig werden könnte. So haben wir jede kleine Gelegenheit genutzt, die sich irgendwo bot, um unseren Müll fachgerecht zu entsorgen.
- Lebensmittel: Wir kamen mit super-prallvoll-gefülltem Kühlschrank und „Keller“ über die Grenze nach Bolivien; wollten wir doch für mind. 3 Wochen autark sein. Wir wußten, daß es in diesem Land keine großen Supermärkte gibt, und der Größte in Tupiza war dann auch so „groß“, daß wir daran vorbeigelaufen sind. 😉 Mit Mini-Tiendas oder Märkten (für Obst und Gemüse) muß man sich über Wasser halten, wenn man durch Bolivien reist. Der Einkauf in Tupiza war für uns nicht zwingend erforderlich, aber wir wollten einfach ein paar Kleinigkeiten nachkaufen. Diese Kleinigkeiten haben ca. das 3-4-fache von dem gekostet, was man in Deutschland dafür ausgegeben hätte. Überraschenderweise konnten wir jedoch in diesem kleinen Mercado mit Kreditkarte zahlen; das hätten wir nicht gedacht.
- Dieselpreis: Wir haben in Bolivien nicht getankt, wollten wir nicht nur nicht in den langen Warteschlangen stunden- oder tagelang stehen, sondern den Locals auch nicht ihre Spritreserven nehmen. Daher haben wir unsere Route so gewählt, daß wir mit Puffer auskommen, wobei wir uns nach der Lagunenroute zunächst erschrocken hatten, denn unser dortiger Verbrauch – aufgrund permanentem Offroad – betrug fast das Doppelte. Andere, die Bolivien durchfuhren bzw. kleinere Tanks haben, kamen natürlich nicht drumherum, zu tanken. Eine Garantie, daß dies klappt, gibt es nicht. Bei Grenzübertritt sagte man uns, daß wir für das Tanken unser TIP bräuchten, und den internationalen Preis zahlen müßten. Dieser liegt natürlich höher, als der lokale Preis; letzterer beträgt ca. 70 €-Cent. Erstmalig hatten wir in unseren Diesel – noch auf chilenischer Seite – Winteradditive zugemischt. Wir wollten unbedingt vermeiden, daß unser Diesel bei den tiefen Temperaturen flockt und unsere Wohnkofferheizung sowie Kühlwasservorwärmung nicht mehr funktioniert. Beim Parken für die Nacht haben wir nicht nur auf die Windrichtung, sondern insbesondere auf den Sonnenstand geachtet. Die Morgen-Sonne sollte immer auf unser Fahrerhaus gerichtet sein, um den Motor direkt aufzuwärmen. Ungeachtet dessen haben wir jeden Morgen unsere Kühlwasservorwärmung laufen lassen (aufgrund Kälte und Höhe). Diese war zwingend notwendig, damit unser Motor starten konnte. Leider haben wir feststellen müssen, daß die Heizung über Höhen von ca. 4500 m einen Fehler eintrug, aber dennoch – glücklicherweise – lief. Es stellte sich heraus, daß unser Modell nur für Höhen bis 3000…3500 m ausgelegt ist.
- Daten/Internet: Wir nutzten weiterhin unseren mexikanischen Starlink Vertrag, den wir mittlerweile auf „unlimited“ umgestellt haben. Unsere eSIM-Karten aus Mexiko funktionierten in Bolivien nicht mehr, was wir wußten. Für diese begrenzte Zeit hatten wir uns keine neuen eSIM-Karten mehr geholt, sondern waren alleinig auf unser Starlink angewiesen.
Und unsere subjektiven Eindrücke:
- Straßen: Fangen wir mal mit dem Positiven an: Die (geteerte) Straße von Uyuni über Tupiza bis nach Villazon ist ein Traum! Ok., sie schlängelt sich auch steil bergauf und bergab durch die Berge, aber ansonsten ist sie super ausgebaut. Und wenn man auf dem Salar de Uyuni die richtige Fahrspur gefunden hat – nachdem man sich durchgefragt hat -, dann schwebt man förmlich über die weiße Oberfläche. Vorausgesetzt natürlich, man hat kein Wasser auf der Piste, wie zu unserem Besuchszeitraum, und man paßt auf die tiefen Schlaglöcher auf und umfährt sie, so gut es geht. Aber der Rest auf unserer Route… GRAUENHAFT! Die Piste, so man diese überhaupt so nennen kann, macht die Lagunenroute sehr, sehr anstrengend. Wir haben uns in unserem Special zur Genüge darüber ausgelassen. Und die Straße nördlich davon, bis zur geteerten Sektion, ist eine immerwährende, sehr schlechte Baustelle, die hoffentlich irgendwann mal fertig werden wird. Abgesehen von den Tourenfahrern in der Lagunenroute, die einen rücksichtslos rechts und links überholen und einstauben, empfanden wir die Fahrweise der Bolivianer eher defensiv und rücksichtsvoll – egal, ob im PKW oder LKW. Manchmal hatten wir uns auch gewundert, warum eher langsam(er) als schnell gefahren wird, aber wir vermuten, daß es einfach daran liegt, daß man angesichts der aktuellen Lage Sprit sparen muß.
- Flora & Fauna: Wir haben nur 2 Highlights dieses wunderschönen und interessanten Landes gesehen. Die Gründe haben wir eingangs erwähnt. Aber diese landschaftliche Vielfalt – nach Schwefel richtende Blubberfelder in der ansonsten superklaren Luft, bunte Lagunen, Berge in unterschiedlichsten Farben, den Salzsee, Kakteen inmitten von kargen Landschaften,… – ist wirklich beeindruckend. Und Bolivien hätte noch viel, viel mehr zu bieten gehabt. Man muß sich aber bewußt sein, daß der Südwesten auf sehr großen Höhen liegt. Für einen selber – Stichwort „Höhenkrankheit“ -, aber auch für das eigene Fahrzeug. Hier waren wir sehr dankbar, daß die damalige „Reparatur“ an unserer Einspritzpumpe uns das Fahren in jenen Höhen möglich gemacht hat. Das außergewöhnlichste an Tieren auf unserer Tour waren natürlich die vielen Flamingos. Schon faszinierend, wie nahe man diesen rosanen Vögeln kommen kann. Und natürlich war es ein schönes Erlebnis, mitten in einer Lama-Alpaka Herde zu stehen und sogar umringt von den Flauschis draußen sitzen zu können…
- Landestypische Küche: Wir haben nur 1x in Tupiza einheimisch gegessen, wobei dies bereits auch ein Touri-Restaurant war. Lecker mit Vorsuppe, Fleisch, wieder mit viel Reis. Vor allem jedoch günstig. Wir wollten noch ein weiteres Mal essen gehen, dies scheiterte jedoch daran, daß Restaurants in Tupiza keine Kreditkarten akzeptierten, wir nicht mehr genügend Bargeld hatten, und wir im Ort bei zwei ATMs kein Geld abholen konnten. So gab es dann wieder „heimische“ Küche in Patsha.
- Leute: LKW-Fahrer haben uns freundlich zugewunken, wenn wir ihnen begegnet sind. Andere, direktere Begegnungen blieben uns als „sehr zurückhaltend“, aber „freundlich“ in Erinnerung. Keiner war uns gegenüber aufdringlich; wir wurden nicht angesprochen – was wir als angenehm empfanden. Und dies, obwohl wir doch mit unserem Vehikel ein auffälliger Fremdkörper sind. Die Wohnungen und Häuser sind sehr einfach gebaut, wobei uns mehrfach ein weißes Standardhaus mit blauem Metalldach aufgefallen ist, welches wohl vielerorts entweder „zur Verfügung gestellt wurde“ oder mutmaßlich günstig zu erwerben ist.
- Land: Bolivien hat uns trotz der für uns sehr anstrengenden Lagunenroute fasziniert und gerne hätten wir noch weitere Orte entdeckt. Was die (früheren) Unruhen anbelangt, so war es der richtige Zeitpunkt für uns, in dieses Land zu reisen. Wir hatten keinerlei Probleme mit Roadblocks o.ä. Wir haben uns überall sicher gefühlt. Wenn wir das Risiko eingegangen wären, „irgendwo“ Diesel zu bekommen, hätten wir auch den Westen – wie ursprünglich geplant – queren können, aber wir sind dennoch mit unserer Entscheidung zufrieden. Mit etwas Umsicht und Planung kann Bolivien gut bereist werden und wir meinen, daß es sich absolut gelohnt hat!
Jetzt wünschen wir Euch ganz viel Spaß mit unserem zweiten, letzten Beitrag und vielen, vielen Fotos aus dem wunderschönen Bolivien!












































































































































































































































