Wir hatten uns sehr auf die Lagunenroute gefreut. Es sollte für uns eines von 2 Highlights in Bolivien werden, zumal wir entschieden hatten, nicht das ganze Land zu bereisen. Grund war zum einen der aktuelle Ausnahmezustand, der von der Regierung ausgerufen wurde, um weitere Blockaden und Proteste in den Griff zu bekommen; zum anderen, die anhaltende Sprit-Knappheit. So hatten wir entschieden, die Lagunenroute – von Süden kommend – in Angriff zu nehmen, anstatt von Peru aus in Richtung La Paz einzureisen.
Was hatten wir alles über die Lagunenroute gehört: Wahnsinnig tolle Landschaften, auf Höhen zwischen 4000-5000 m, und in den Wintermonaten sehr kalt. Aber auch viel fieses Wellblech, stellenweise mehrere Tracks nebeneinander. Die Aussagen anderer Reisender, die wir gelesen hatten, variierten von „tolles Abenteuer; es hat sich sehr gelohnt“, über: „gut fahrbare Pisten“, bis „anstrengend, aber es war es wert“. Mit dieser Erwartungshaltung sind wir über die Grenze von Chile nach Bolivien eingereist und voller Vorfreude in dieses Abenteuer gestartet. Und dann?
Entgegen guter Didaktik fangen wir mit unserem Fazit an:
Konnten wir am ersten Tag die Landschaft noch genießen, wollten wir mit jedem weiteren Tag nur noch heile aus dem Nationalpark herauskommen. Wir können keinem Reisenden mit LKW empfehlen, sich auf dieses Abenteuer einzulassen. Trotz phänomenaler Natur! Warum nicht? Die Pisten sind für jedes Fahrzeug materialmordend und extrem belastend, aber wir kamen so oft in Situationen, in denen wir – für unser Empfinden – große Schräglage bzw. Verschränkung hatten, mit dem Risiko, daß der schwankende Wohnkoffer aufgrund seiner Dynamik das ganze Fahrzeug zum Kippen bringt – trotz Schrittgeschwindigkeit. Zudem mußten wir, je weiter wir nach Norden kamen, Wege scouten, um überhaupt zu wissen, wie kommen wir überhaupt ans Ziel. Keiner der Wege war gepflegt. Im Gegenteil: Manchmal waren Nebentracks besser als die Hauptspur, nur auf jene konnten wir wegen der Hügel zwischen den einzelnen Tracks schwer oder gar nicht wechseln. Für Boris als Fahrer waren die Tage einfach nur mega-anstrengend und er konnte die Landschaft überhaupt nicht genießen. Er mußte permanent auf die Piste achten. Und auch für mich als Beifahrerin war es nicht leicht, denn beim Navigieren oder Wege Scouten war man immer auch mit angespannt. Wir hätten uns im Nachhinein lieber einen Gelände-Mietwagen (mit Zelt oder „Hotel“) genommen, und so hätten wir die Tour als reines Abenteuer genießen können und wirklichen Offroad-Spaß gehabt. Aber mit dem eigenen Zuhause unterwegs, und der permanenten Gefahr, daß der Motor morgens bei den kalten Temperaturen und der Höhe nicht anspringt, oder der LKW seitlich wegkippt, … Wir haben einige Nerven bei dieser Tour gelassen und für uns war ein angemessenes Verhältnis zwischen „Abenteuer“ und „Genuß im Sinne von Erlebnis“ absolut nicht gegeben! Final haben wir 3 Lagunen, die wir uns ansonsten gerne noch angeschaut hätten, ausgelassen bzw. auslassen müssen.
Warum haben wir von dieser Einschätzung von keinem anderen Reisenden – in erster Linie mit LKWs – gehört?
- Es wurden nicht dieselben Pisten wie unsere Route gefahren: Dies kann sein, ist jedoch unwahrscheinlich, denn wir haben die Routenaufzeichnung von anderen größtenteils als Basis für unsere hergenommen.
- Pistenzustände ändern sich: Die Pisten waren so schlecht, dass dies nicht erst seit wenigen Wochen oder Monaten so sein kann. Die Routenaufzeichnungen anderer Reisender, die wir uns angeschaut hatten, waren tlw. 1-3 Jahre alt, aber unser Eindruck war, daß an den wirklich schlechten Wegen seit vielen, vielen Jahren nichts gemacht wird. Evtl. mit Ausnahme der Ostroute, wie wir gehört haben, aber dort sind wir nicht lang gefahren. So viele parallele Tracks, wie entstanden sind, machen deutlich: Die Hauptspur wird vernachlässigt und nicht gepflegt, und jeder Fahrer eröffnet seit langer Zeit eher einen neuen Track.
- Fahren im Konvoi: Wir können uns gut vorstellen, daß es leichter ist, im Konvoi zu fahren, wo der Erste vielleicht nur scouten braucht und der Rest fährt hinterher, oder man sich abends austauscht und den Tag bespricht. Und so relativiert sich vielleicht die ein oder andere „anstrengende Situation“.
- Andere Reisende fuhren andere Expedi-Modelle: Es kann natürlich sein, daß modernere LKWs besser gefedert sind, oder Wohnkoffer eine härtere Federlagerung/Dämpfung haben wie unser, aber das Problem bei Schräglage, Verschränkung oder Spurbreite müßten auch andere Reisende gehabt haben. Natürlich gibt es offroad-tauglichere Basisfahrzeuge als unseres, aber auch von ähnlichen Modellen hatten wir von keinen Problemen auf jener Route gehört.
- Andere Empfindungen für Risiken bzw. Offroad: Dieser Punkt scheint für uns einer der Wesentlicheren zu sein. Wir können und mögen uns an dieser Stelle nicht mit anderen vergleichen, aber für uns sieht Offroad-Spaß bzw. Abenteuer einfach anders aus. Wir sind früher in diversen Urlauben mit Geländewagen viel Offroad gefahren. Ja, es war anstrengend, aber ja, es war wirklich toll! Aber mit einem LKW die gleichen Strecken zu fahren, ist einfach für uns eine andere Hausnummer.
- Vergangenheitsblick: Normalerweise – hoffentlich – verwässert der Blick in die Vergangenheit schwierige Situationen und man sieht diese positiver, als sie in jenem Augenblick waren. Erfahrungsberichte werden evtl. erst später geschrieben, so daß die eigene Tour rückblickend eher als ein Abenteuer als ein riskantes Fahren gesehen wird. Und beim Betrachten der gemachten Fotos sagt man sich: War doch echt toll!
Beginnen wir jetzt mal chronologisch, wie wir gefahren sind und wie wir unsere gefahrene Route – ganz wichtig: Aus Sicht von uns auf LKW Basis! – bewerten. Die von uns gefahrene Route ist folgende:

Tag 1: Direkt nach dem entspannten Grenzübergang mit seinen freundlichen, bolivianischen Grenz- und Zollbeamten, und dem Kaufen der NP-Tickets, sind wir zur Laguna Blanca abgebogen. Hatten wir mit Wellblech gerechnet, stießen wir auf festere Sandpassagen, die dann leicht steiniger wurden. Eine Furt – die Wasserverbindung zwischen Laguna Blanca und Laguna Verde – hatten wir nicht auf dem Schirm, war aber kein Problem. Wir wollten zum Mirador an der Laguna Verde hochfahren und überlegten noch kurz, ob wir die letzten Meter scouten. Mehrere Pisten führten in einer Linkskurve hoch. Wir sind dann – ohne zu Scouten – „mutig“ die mittlere hochgefahren und auf einmal war diese nicht nur steil, sondern hatte auch noch tiefe Auswaschungen, so daß wir erstmalig mit unserem Wohnkoffer ins Schwanken kamen. Wir mußten die Geschwindigkeit beibehalten, um hochzukommen. Oben angekommen, haben wir in Windrichtung und unter Beachtung des Sonnenstandes am nächsten Morgen geparkt, und durchgeschnauft. Der Wind blies stark, war aber über Nacht still. Die Tiefsttemperatur in der Nacht fiel am nächsten Morgen auf -11 °C ab. Wir fuhren mit Winterdieseladditiv und haben den Motor am nächsten Morgen immer vorgewärmt. Dennoch sprang er sehr schlecht an, aber immerhin beim ersten Versuch. Wir waren dennoch guter Dinge und sind in den nächsten Tag gestartet. Das Panorama auf die Laguna Verde war atemberaubend!
Tag 2: Von der Laguna Verde ging es bis zum Salar de Chalviri. Die Strecke bestand aus viel, hartem Wellblech, zwischendurch kurzen, eher sandigen Passagen; tlw. hatte(n) die Piste(n) leichte Schräglage. Manchmal gab es eine Piste, manchmal ein paar daneben, aber Kreuzen – auf eine vermeintlich bessere – hätte bedeutet: Wir müssen über den Abtrennungsbuckel (0.5-1.5 m) zwischen den Pisten fahren. Also: Starke Verschränkung, denn einfach so „durchbrechen“ ist nicht drin. So hielten wir uns eher auf der „Hauptpiste“ auf, und die war normalerweise immer die Schlechteste von allen. Nervig an jenem Tag waren jedoch die vielen Geländefahrzeuge der Touranbieter, die uns rechts und links überholten. Verständlich, da sie bestimmt unter Zeitdruck standen, um ihren Sightseeing-Plan zu schaffen. Aber manchmal kamen sie so schnell von hinten an, daß wir sie fast nicht mitbekamen. Die Staubfahne nebelte uns ein, immer auch mit der Gefahr eines Steinschlages. Unser Fahrzeug schlug in den Federungen bzw. Dämpfern auf und wir hofften nur, daß nichts bricht, und dabei sind wir maximal 20 km/h gefahren. Das (nicht-touristische) Thermalbecken, an dem wir später hielten, war nett, aber der Parkplatz hierfür war direkt neben der Piste, die oberhalb verlief. Also, nicht wirklich als Übernachtungsplatz geeignet. So sind wir spontan wenige Kilometer in die Nähe an dem Salar gefahren, an einem tollen Übernachtungsplatz mit Blick auf Flamingos. Natürlich wieder mit Ost-Ausrichtung, damit der Motor morgens schon gleich von der aufgehenden Sonne gewärmt wird. Die Tiefsttemperatur in der Nacht war – 7 °C, und der Motor sprang am nächsten Morgen akzeptabel an. Beim täglichen Check der Flüssigkeitsstände haben wir bemerkt, daß unsere Hydraulikflüssigkeit im Kupplungskreislauf stark gesunken ist. Da wir nirgends ein Leck erkannten, führten wir dies über Austritt am Verschlussdeckel des Reservoirs aufgrund der starken Erschütterungen und Schläge zurück. Erstmal nichts Dramatisches, da wir auch genügend Ersatz dabei hatten, aber dennoch unschön.
Tag 3: Nach kurzer Wellblechpassage wandelte sich die Piste in eine harte Steinstrecke bzw. mit harten Erdkanten/-abbrüchen. Sie führte hoch bis zu den Geysiren auf 5000 m. Die Schläge an unserem Fahrzeug taten uns in der Seele weh. Ursprünglich wollten wir von Osten an die Geysire heranfahren, fanden den Einstieg aber nicht besonders vertrauenserweckend. So sind wir von Westen herangefahren: Sehr rumpelig und mit vielen spitzen Steinen. Es gab mehrere Tracks und wir fanden uns plötzlich auf einem vor, für den unsere Spurbreite zu groß war. So litten unsere Reifen an der Flanke zum ersten Mal. Dennoch Hut ab: Sowohl auf Lauffläche als auch Flanke sind natürlich Beschädigungen sichtbar, die jedoch bei unseren Michelin Baustellenreifen bislang aber absolut kein Problem darstellen. Bei der Weiterfahrt an der Militärbasis zweigte die Piste auf die sog. Westroute nach Norden ab, und wurde schmaler. Auf einmal lag ein Schneefeld vor uns und wir wollten vermeiden, es zu durchfahren. Wir wollten daher zum ersten Mal die Piste auf eine schneefreie wechseln, aber der Absatz war zu steil und wir hätten direkt im 90 Grad Winkel dahinter abbiegen müssen. Wir haben es versucht, aber der Koffer knallte in seine Anschläge – bei weniger als Schrittgeschwindigkeit. So haben wir einen neuen Anlauf gewagt und haben die Pisten gewechselt, in dem wir den Buckel zwischen ihnen längs zur Fahrtrichtung genommen haben. Zum ersten Mal reichte unsere Bodenfreiheit nicht aus. Es klappte, aber unser Puls war hoch. Danach ging es über gefühlt unendliche Kilometer des Langsam-Fahrens bis zur Laguna Colorada; mit viel Wellblech und harten Passagen. Wir fragten uns zum ersten Mal, ob das ganze Sinn macht, denn Offroad-Spaß sieht – wie eingangs gesagt – für uns anders aus. Der Blick auf die Lagune mit den vielen Vögeln und Vicuncas war natürlich traumhaft; der Wind tobte, ließ aber über Nacht nach.
Tag 4: Der nächste Morgen begann erstmal mit einem Schreck: Die Drücke im Luftdrucksystem des LKWs waren komplett auf „0 bar“ abgefallen. Und mit -14 °C hatten wir einen neuen Rekord an Kälte zu verzeichnen. Wir waren froh, daß unsere Standheizung ansprang und wir den Motor vorwärmen konnten. Der Motorstart war glücklicherweise auch akzeptabel. Unser „Sanitärsystem“ hatten wir schon seit Tag 1 umgestellt, damit wir die Abwasserleitungen, die nach außen führen, nicht mehr benutzen. Also, „Eimermethode“. Wellblechpassagen, Sandpassagen, verschiedene Tracks nebeneinander bestimmten auch an jenem Tag bis zum Arbol de Piedra unseren Weg. Aber keine weiteren Tourenfahrzeuge. Am „großen Stein“ angekommen, hörten wir auf einmal einen unserer Wassermelder im Wohnkoffer. Ursache: Es muß irgendwo Wasser aus den Leitungen am Boiler herausgedrückt haben. Da alles sehr heiß war, konnte man nichts wirklich anfassen, und direkte Nässe an den Anschlüssen konnten wir nicht feststellen. Alles sauber gemacht und mit ungutem Gefühl weitergefahren. Wir hatten einen Routentipp bekommen, daß man mit viel weniger Wellblech – eher Sandpassagen – bis zur Laguna Khara fahren könnte. Wir hatten viel überlegt, aber waren unsicher, ob wir für den schmalen Track (nur wenige hundert Meter!) direkt an der Lagune entlang nicht zu breit wären. Wir wollten nicht das Risiko eingehen, dort wieder umdrehen zu müssen, da wir auch von keinem LKW wußten, der dort entlang gefahren war. Insofern haben wir uns dazu entschlossen, doch auf der regulären Westroute zu bleiben. Ab der Stelle, wo man in Felsblöcken Vizcachas beobachten kann, wurde die zuvor relativ breite Piste auf einmal zu einem schmalen Track. Die Hauptroute sollte östlich abzweigen, aber die war noch schmaler und „unsichtbarer“. Also sind wir weiter geradeaus; tja: Die Spur führte dann durch ein Feld mit scharfkantigen Lavasteinen. Wir fluchten, denn wir wußten, was wir damit unseren Reifen antun. Nach einigen Kilometern trafen wir wieder die „Hauptspur“, die auf einmal tiefsandig wurde. Damit hatten wir nicht gerechnet, und die Mittelsperre erst während der Fahrt eingelegt. So mühten wir uns durch den Sand bergauf, und unsere Spurbreite war natürlich wieder breiter als der Track, der eher für Geländewagen ausgelegt war. An einer Y-Abzweigung sollte unsere Hauptroute zur Lagune Cachi nach Osten abgehen. Nach 1 km landeten wir in einer – für uns – Sackgasse: Der bzw. die 2 Hauptwege führten megasteil einen felsigen bzw. mit tiefen Weichsandspuren versehenen Berg hinauf. Zu steil für uns, eher etwas für Geländewagen. Ein dritter Weg, den es auf unseren Karten nicht gab, schlängelte sich in eine falsche Richtung. Ich lief erstmal zurück zur Abzweigung, und der Weg ab dort nach Norden sah besser aus. Ein Tourenfahrer, der zufällig vorbeikam, bestätigte, man könne auch über diesen Weg zur Laguna Cachi fahren. Die Abzweigung dorthin sollte „bald“ kommen. Also, retour mit Patsha und den anderen Weg fahren, aber die Abzweigung hatten wir nicht gefunden. Die Piste bzw. Pisten wurden schlechter, steiniger, felsiger, schmaler – immer jeweils nur zwei Fahrspuren. Wir beschlossen, die Laguna Cachi sein zu lassen, und nach Norden, zur Laguna Honda, zu fahren. Wir mußten einmal die Spur wechseln, und urplötzlich lenkte unser Wohnkoffer extrem aus – trotz Schrittgeschwindigkeit. Erneut ein Schreckmoment, daß unser Fahrzeug kippen könnte. Nach kurzer Weiterfahrt standen wir plötzlich vor einem Canyon, wo uns ein anderer Tourenfahrer noch zuvor versichert hatte: Für uns kein Problem, die Kehre mit unserem LKW (mit Allrad!) hinunterzufahren. Ein Bypass zu der Kehre war ein rechter Weg. Dieser war zwar sehr steil, aber wir hätten ihn uns zugetraut. Nur: Der Einstieg war so kippelig und schräg, daß wir den Einstieg nicht wagten. Und der linke Weg, die Kehre? Moderat steil hinunter, aber an einer Stelle mehrere Auswaschungen hintereinander an der berginneren Fahrspur, die bereits mit Steinen ausgebessert wurde. Hier befürchteten wir wieder unsere Dynamik im Koffer und damit die Gefahr des Kippens. So sind wir die steile Stelle, an der wir zwecks Scouten mit Patsha standen, rückwärts über Buckel wieder hochgefahren, haben gewendet, und uns irgendwo auf dem Plateau hingestellt; auf 4600 m Höhe. Es war ein sehr anstrengender Tag, und wir haben unsere Optionen überlegt: Wieder zurück die ganze Strecke bis an die Grenze nach Chile? Wir waren dankbar, mit anderen Reisenden telefonieren zu können, die die Westroute zuvor gefahren sind; wir waren nur nicht sicher, wo sie genau entlang gefahren waren. Sie haben uns Mut gemacht, so daß wir einen neuen Anlauf am nächsten Tag nehmen wollten.
Tag 5: Wider Erwarten war es nachts auf dem Plateau windstill, die Temperaturen aber natürlich wieder zweistellig negativ. Da wir aber über 4600 m standen – war ja so nicht geplant – hatte unsere Motor-Standheizung am nächsten Morgen eine Fehlermeldung. Trotz Notlauf sprang sie aber an, worüber wir sehr erleichtert waren. Voller Mut sind wir dann die Kehrensektion hinuntergefahren, jedoch war die Stelle tatsächlich schwieriger, als erwartet. Sie war ausgefahrener und weggebrochener, als noch bei unseren Reisebekannten vor ein paar Tagen. Eine enge Felspassage danach hinterließ deutliche Spuren an den Flanken unserer Reifen. Die vielen Kilometer danach, auf verschiedenen Sandtracks immer in Richtung Lagune Honda, konnten wir einigermaßen gut fahren. Wichtig war nur, auf „dem richtigen Track“ unterwegs zu sein, denn immer wieder zogen sich Abbrüche quer durch die Wege. Wir waren mega-happy, denn die Alternative, mehrere Tage zurück den gleichen Weg bis an die chilenische Grenze zu fahren, wollten wir auch nicht. Aber was dann kam, waren die schwersten Stellen, die wir in den letzten 4.5 Jahren gefahren sind. Der Track um die Laguna Chiar Kkota war steil bergab, stellenweise schräg, mit Buckeln bzw. Auswaschungen, und führte durch die moorrastigen Ränder der Lagune. Wir mußten permanent scouten, um die richtige bzw. für unseren LKW geeignete Spur zu finden. Als wir endlich, nach 2 Stunden die wenigen Kilometer geschafft hatten, kam der Track zur nächsten Lagune Hedionda. Unser Navi zeigte „geradeaus“, aber in der Realtität war die rechte Spur besser, und führte steinig den Berg hinauf. Die „Hauptspur“ unseres Navis wäre über einen Hügel gegangen und dann am Rand der Lagune weiter verlaufen. Wir wären viel zu schwer für diesen Track gewesen und eingesunken, wie wir erst später sahen. Zumal sah man erst am Zielpunkt, am Hotel der Lagune, daß man so in eine gesperrte Sackgasse – an einer Abbruchkante – gelandet wäre. Insofern gut, daß wir obenherum gefahren sind. Aber: Wir mußten eine weggebrochene Stelle mit Steinen ausbessern, sonst hätten wir massive Schräglage bzw. Verschränkung gehabt, denn die rechte Spur war viel höher – geschätzt 1 m – als die linke, und dann noch die Auswaschung auf der linken Spur… Für die Vorderachse hat unsere Ausbesserung gehalten; beim Überfahren mit der Hinterachse rutschten die Steine jedoch seitlich weg, so daß unser Koffer abermals dynamisch in seine maximalen Anschläge schlug. Wir konnten nur nicht mehr zurück; Wenden unmöglich. Es gab für uns nur noch eine Richtung! An unsere Sandbleche haben wir erst viel später gedacht, wäre aber eine gute Absicherung gewesen. An der Lagune Hedionda angekommen, waren wir total erschöpft. Die Lagune so schön, so viele Flamingos, und wir wollten einfach nur noch schlafen.
Tag 6: Ursprünglich wollten wir heute weiterfahren, aber es gab eine Sturmwarnung. Zudem war die Lagune wunderschön. Und: Wir brauchten eine Pause! Insofern hatten wir kurzfristig beschlossen, hier zu bleiben. In der Nacht hatte es erstaunlicherweise nur -1 °C. Und den Sturm saßen wir einfach aus.
Tag 7: Für die Weiterfahrt bis zur Haupt“straße“ 701 hatten wir zwei Möglichkeiten: Die Kürzere in Richtung Norden, die von den meisten gefahren wird, auch mit LKWs. Oder, die Alternative, die lt. Informationen in iOverlander einfacher sein sollte. Doch: Passen wir mit unserer LKW Breite dort durch – sofern es Engstellen gibt? Wir wußten von keinem LKW, der dort entlang gefahren war. Nach Rücksprache mit anderen Reisenden haben wir beschlossen, die kürzere ´gen Norden zu nehmen. Eine erste Befürchtung, daß die 24 km – vorbei an der Laguna Canapa – zu einem Drama wie an Tag 5 werden könnte, bestätigte sich glücklicherweise nicht. Die Route war erneut anspruchsvoll, und kurz nach Verlassen der Lagune Canapa gab es noch einmal eine kleine, steile Stelle mit Schräglage, aber mit vorsichtiger Fahrweise bis zur Haupt“straße“ kamen wir gut voran. Eine Kehrensektion wurde mittlerweile erneuert und führt nicht mehr wie im Kartenmaterial rechts herum, sondern links, ist aber gut fahrbar. Ab und an kam uns ein anderes Fahrzeug entgegen; erstmalig auch ein kleiner Laster. Generell blieb die Piste bis zur Haupt“straße“ dennoch anspruchsvoll, aber fahrbar. Und dann: Die 701 scheint seit Jahren eine Dauerbaustelle zu sein. Ein i.d.R. ersichtlicher Bypass führt in Richtung Osten, bis endlich die heißersehnte Teerstraße anfängt. Bis dahin jedoch erwartet einen eine wirklich schlechte, wenn auch breite Piste: Von sandig über hart, mit Abbruchkanten und Schräglage, mit Steinen gespickt, … alles, was man sich vorstellen kann, so daß wir meistens mit 10-15 km/h unterwegs waren. Wir waren sehr erleichtert, als wir die Reifen auf Teer wieder mit Luft aufpumpen konnten.
Wir möchten nicht missverstanden werden: Die Landschaft und ihre Farben, die Lagunen, die Berge, die Flamingos, die Vizcunas, … es ist so traumhaft auf der Lagunenroute! Dazu der fantastische Sternenhimmel und die superruhigen Nächte! Wir möchten keinem davon abraten, sich diesen Nationalpark anzuschauen, im Gegenteil! Nur: Ein LKW wie unserer, bzw. ein Zuhause auf LKW Basis, ist unserer Meinung nach nicht das geeignete Vehikel, diese anspruchsvolle Strecke „entspannt“ zu fahren, auch wenn sie mit einem solchen „machbar“ ist. Wir wissen jetzt natürlich viel besser um das Limit unseres Fahrzeuges, hoffentlich auch unseres. Patsha hat tapfer durchgehalten, und – soweit wir dies auf den ersten Blick beurteilen können – keine großen Schäden davongetragen. Materialmordend war die Tour dennoch in jedem Fall und wann die Folgeschäden eintreten, wissen wir heute noch nicht. Für uns war leider – und da wiederholen wir uns – das Verhältnis aus „Abenteuer“ und „Genuß“ auf dieser Route nicht gegeben. Wir waren froh, die Pisten heile gemeistert zu haben. Zum Vergleich: Die Tourenanbieter – und dies machen sie bestimmt nicht freiwillig – fahren nur mit sehr guten – und damit teuren – Geländewagen auf dieser Route. Diese hatten immer eine hohe Motorisierung (z.B. V8 Landcruiser) und waren nicht einfach nur mit A/T Reifen ausgestattet, sondern mit echten, schmalen Geländereifen. Es hätte so schön sein können, wenn diese Pisten einfach in besserem Zustand wären, aber es sieht nicht so aus, als ob sich dies in absehbarer Zeit ändern würde. Rückblickend hätten wir mit einem Miet-Geländewagen den Spaß gehabt, den wir uns erhofft hatten.
Ach ja, und grob geschätzt: Wir haben auf der Lagunenroute knapp das Doppelte unseres durchschnittlichen Dieselverbrauches gehabt.














































































































































































