Ein kleines Land, und dennoch: Wir haben bis auf wenige Tage unsere Aufenthaltsgenehmigung von 90 Tagen ausgenutzt. Ohne dies jetzt nachgezählt zu haben, haben wir bestimmt die Hälfte jener Zeit in Werkstätten verbracht, oder irgendwo auf Ersatzteile gewartet. Wir sind daher froh, daß dies zeitmäßig alles geklappt hat, denn wäre das Land größer gewesen, wäre es mit Sicherheit eng geworden. Auch war für uns irgendwann in jenem Land klar: Wenn wir die technischen Probleme mit Patsha nicht in den Griff bekommen – insbesondere das Höhenthema -, dann müssen wir zurück verschiffen. Erste Angebote hatten wir daher schon eingeholt. Aber der Reihe nach. An dieser Stelle wie immer zunächst der Verweis auf unsere gefahrene Route: HIER.
Beginnen wir also wie gewohnt mit den weniger subjektiven Faktoren:
- Wetter: Wir waren Ende der Regenzeit unterwegs, beim Übergang zur Trockenzeit. Zudem fuhren oder standen wir – bis auf die letzten 2 Tage vor der Grenze nach Peru – immer in der Höhe, also zwischen 1500 m und 4400 m. Insofern war es tagsüber angenehm warm bzw. kühl, und gleiches auch in der Nacht. Gut, daß wir uns tolle Ponchos aus Alpaka Wolle in Ottavalo gekauft hatten. 😉 Richtig schwitzen mußten wir fast nie. Aber wenn es mal heiß(er) war, dann waren da auch gleich die Mücken und Black Flies. Insgesamt hielt sich die Regenmenge in Grenzen, nur zum Schluß, auf der Straße E582 zur Küste, hatten wir Felsabbrüche. Aber Halt: Auch auf den letzten 10 km Offroad zur Bellavista Cloud Forest Lodge war der Name Programm und wir haben uns stellenweise durch Matsch und Nebel gemüht. Schnee hatten wir in den großen Höhenlagen nicht, aber auf dem Camping in Quito zog ab und an ein heftiger Hagelschauer über uns hinweg. Hatten wir insbesondere in 4000 m gehofft, einen tollen Sternenhimmel zu sehen, so wurden wir enttäuscht: Wolken oder Nebelschwaden haben oft die Sicht getrübt, oder der Mond überdeckte einfach mit seiner Helligkeit die Sterne. Was unseren Trip auf die Galapagos Inseln anging, so hätten wir uns an Bord eine funktionierende Klimaanlage gewünscht, weil wir einfach nicht mehr an feucht-heiße Temperaturen gewöhnt waren.
- Stellplätze: Gefühlt standen wir in Ecuador öfters frei als zuvor in Kolumbien, wobei hier „frei“ nicht unbedingt „umsonst“ heißt; z.B. am Cotopaxi mußten wir eine Stellplatzgebühr bezahlen, und auch im Sangay NP wurden wir von Locals eindringlich aufgefordert, trotz eigentlich kostenlosem Platz eine Gebühr zu bezahlen. Generell empfanden wir unsere Plätze landschaftlich schöner als im Land zuvor. Hätte es da nicht so das eine oder andere technische Problem an unserem Fahrzeug gegeben, wären wir gerne länger an diversen Plätzen geblieben, wobei manche davon schon recht hoch lagen, so daß wir dann doch wieder froh waren, in etwas niedrigere Höhenlagen herunterzukommen, um wieder durchschlafen zu können.
- Wasser: Wir waren ziemlich vorgespannt, wie die Wasserqualität in Ecuador sein würde, waren wir doch von Kolumbien negativ überrascht worden. Und hier? Wir sind diesmal positiv überrascht, denn dort, wo wir Wasser füllen konnten, war es gut. Einziges Lessons Learned: Auf einem Camping, wo wir mehrfach waren, war zunächst die Wasserqualität gut, weswegen wir diese ein weiteres Mal nicht geprüft hatten. Fehler! Denn wir hatten erst nach dem Befüllen gesehen, daß das Wasser grünlich trüb und schmierig war. Wie ärgerlich! So konnte unser Vorfilter wenigstens zeigen, was er draufhat. Und zwischenzeitlich waren ja auch passende Filter aus Deutschland angekommen.
- Strom: Unsere Batterien waren immer über 70..80% gefüllt, denn selbst, wenn es mal geregnet hatte, kam dann auch gleich wieder die Sonne. Also, gewohnte Autarkie durch eigene Stromerzeugung!
- Müllentsorgung: Ecuador gehört für uns zu den sauberen Ländern, d.h. kaum Müll in den Städten und an den Straßenrändern. Ab und an haben wir auch eine Müllabfuhr gesehen, oder große Müllcontainer entlang von Straßen. Unseren Müll konnten wir entweder auf den Campingplätzen oder an den Supermärkten – gleich beim Einkauf – entsorgen. Sehr oft haben wir sogar verschiedene Tonnen für die diversen Müllarten vorgefunden, in denen Glas, Alu, Plastik und Biomüll getrennt gesammelt wurden.
- Lebensmittel: Der erste Einkauf in einem Tutti war enttäuschend: Selbst Eier waren nicht vorhanden, und man konnte in jener Supermarktkette nur bar bezahlen. Daraufhin waren wir entweder im Superaki oder Supermaxi Stammgast. Das Sortiment war vielfältiger als in Kolumbien; die Preise recht ähnlich. Nur leider gab es auch hier keinen cremigen Honig. ☹ Dafür war die Obstabteilung gut gefüllt und die Qualität i.d.R. ok. Wir hatten uns trotzdem entschieden, das Obst immer gründlich abzuwaschen bzw. zu desinfizieren. Die Fleischqualität ist jedoch nach wie vor nicht berauschend. Was die Parkplätze angeht: Auch hier wieder ein Drama, so daß wir vorher immer im Internet geschaut haben, wie groß diese sind, denn meistens gab es für uns selbst keine Gelegenheit, im Umfeld der Supermärkte zu stehen. Beim Bezahlen mußten wir meistens unseren Pass vorzeigen, der registriert wurde. Mal reichte der Personalausweis, dann mußte zwingend der Reisepass her. Ein einziges Mal hat dies nicht gereicht und wir mußten eine ecuadorianische Telefonnummer angeben. Diese hatten wir natürlich nicht, aber die Kunden hinter uns an der Kasse haben uns mit ihrer freundlicherweise ausgeholfen. In allen Supermärkten, wo wir waren, konnten wir den Einkaufswagen nicht bei der Kasse durchschieben, um unsere dann bezahlten Waren dort wieder hineinzulegen: Der Platz ist bewußt zu eng gehalten. Dies bedeutet: Wenn man erneut einen Wagen braucht, um damit zum Fahrzeug zu gehen, muß man sich diesen nach der Kasse organisieren – es gibt andere, farblich markierte, die nur für den Transport der Waren zum Parkplatz vorgesehen sind. Wirklich mühsam und der Grund ist für uns nicht wirklich ersichtlich!
- Dieselpreis: Am Anfang kostete uns der Liter Diesel noch 67 Euro-Cent, zum Schluß 70 Euro-Cent. Die Preise sind an allen Tankstellen gleich, unabhängig von der Marke. Wir haben nicht viel Strecke gemacht, so daß wir nur 2x wirklich tanken brauchten, sowie noch einmal ganz zum Schluß, vor unserem Grenzwechsel nach Peru. In Peru ist der Liter Diesel nämlich 1 € teurer! Von Ecuadorianern wurden wir mehrfach auf die schlechte Dieselqualität hingewiesen. Wir können dies nicht bestätigen. Die von uns angefahrenen Tankstellen waren sauber, der Sprit auch, und wir hatten keine Probleme mit Wasserablagerungen im Separfilter.
- Daten/Internet: Wir nutzen weiterhin unseren mexikanischen Starlink Vertrag, 100 GB. Wir kamen diesmal nur knapp damit aus, da wir öfters freistanden, und tlw. auf den Campgrounds kein WiFi angeboten wurde. Unsere eSIM-Karten aus Mexiko funktionierten weiterhin in Ecuador.
Und unsere subjektiven Eindrücke:
- Straßen: Die Straßen und Straßenbeläge waren wider Erwarten gut; zumindest die Hauptstrecken. Ja, wir haben weiterhin über die vielen Topes geflucht, insbesondere über jene, die man an Steigungen, mehrfach hintereinander, gebaut hat. Dennoch war es anstrengend, sogar seeeeeehr anstrengend, in diesem kleinen Land zu fahren! Zum einen die vielen, extremen Steigungen und Gefälle, dazu enge, sich zuziehende Kurven, viele hintereinander. So dauerte es oft deutlich länger, bis man eine gefühlt übersichtliche Strecke hinter sich gebracht hatte. Der Supergau jedoch: Die Fahrweise der Ecuadorianer, und dies, obwohl mit Grenzübertritt in dieses Land die Dichte der Mopeds schlagartig abnahm! Wir werden noch weiter unten berichten, wie wir „Land & Leute“ erlebt haben, aber leider müssen wir an dieser Stelle sagen: Wir haben weltweit bislang noch nie so viel Rücksichtlosigkeit im Straßenverkehr erlebt! Ob unser Eindruck daran liegt, daß wir mit der Größe eines LKWs unterwegs sind? Wir wurden sehr eng überholt, teilweise abgedrängt, und es war demjenigen egal, ob vor uns Platz für ihn ist oder nicht. Es wird trotz ungenügender Sichtweite überholt – vor Hügeln, Kurven, o.ä. -, und das Gegenverkehr kommt, stört ebenfalls keinen. Ihr könnt dies gut in unserem Video sehen. Es wird halb auf der Straße geparkt, um zu telefonieren, wobei: Dafür braucht man nicht zwingend anhalten, sondern das Handy am Ohr, während man fährt, ist Standard! Es wirkt auf uns, als ob es kein Miteinander gibt, hatten wir mal einen anderen vor uns durchwinken wollen, um den Gegenverkehr nicht weiter zu blockieren: Derjenige wußte mit unserer Geste einfach nichts anzufangen. Man blinkt – oder auch nicht – und fährt nach links, obwohl rechts geblinkt wird. Es wird in den laufenden Verkehr hereingezogen, oder mitten auf der Schnellstraße gewendet – mit einem Schwerlast-LKW, der dann plötzlich vor einem quer über alle Fahrbahnen steht. Kurvenschneiden ist normal; egal, ob dies notwendig ist oder nicht. Insbesondere auch Busfahrer scheinen kein Risiko zu scheuen, ihre Reisegäste in Gefahr zu bringen. Auf diese sollte man beim Autofahren besonders aufpassen!!! Das Hupen wird häufiger, empfinden wir aber – bis auf ein paar Ausnahmen – noch irgendwie im Rahmen. Aber es wird gefahren, nach dem Motto: Ich bin wichtig, ich möchte schnell ans Ziel; die anderen sind mir egal! Wir sind froh, in diesem Land keinen Unfall gehabt zu haben! Die lokale Polizei schien eher auch daran interessiert zu sein, den TIP zu kontrollieren – viel öfters als in Kolumbien -, als den Verkehr zu regeln oder Regelverstöße zu ahnden. Wir haben beobachten können, daß sie den gleichen Fahrstil wie alle anderen an den Tag legen. Gefühlt alle Autos besitzen eine Alarmanlange, und zwar: Immer die gleiche! Das Geräusch der Fehlalarme ist allgegenwärtig, wenn Fahrzeugbesitzer damit nicht klarkamen. Insofern interessiert es keinen wirklich. Ecuador gehört zu den Ländern mit Mautgebühr. Leider gibt es keine Camper-Kategorie, so daß wir immer freundlich argumentiert haben, daß wir kein (Schwerlast-)LKW sind. In 61 % der Fälle hatten wir Erfolg, den günstigeren PKW-Tarif bezahlen zu dürfen, wobei man dazu sagen muß: Die Differenz ist nur 1 USD, auch wenn es relativ gesehen die Hälfte vom günstigsten LKW-Tarif ist.
- Flora & Fauna: Wow! Was für ein Land! Landschaftlich hat uns Ecuador begeistert! Die grünen Berge und tiefen Schluchten, die imposanten Vulkane, dunkelblaue Lagunen, und dann wieder dschungelartige Natur! Von der Küste und dem Amazonas können wir zwar nicht berichten, da wir dort nicht entlanggefahren sind bzw. dort waren, aber „der Weg durch die Mitte“ war einfach fantastisch. Leider nur für den Beifahrer, denn der Fahrer mußte sich zu 110% auf die anstrengende Route konzentrieren. Selbst Galapagos war landschaftlich vielfältig, auch wenn die Varianz von Insel zu Insel nicht so groß war. Und die Tierwelt? Wir haben die Kolibris und die Tukane im Bellavista Cloud Forest geliebt, den Leguanen und den Seelöwen auf den Galapagos Inseln sind wir mit Respekt begegnet. Die Blaufußtölpel waren so niedlich; die vielen Fische und sogar Haie sind direkt vor unserer Taucherbrille vorbei „gedüst“. Selbst ein paar Vincunas und Lamas haben wir auf dem Festland gesehen. Erstmalig haben wir in Ecuador auch wieder viele Straßenhunde gesehen, wobei wir im Vorbeifahren den Eindruck hatten, daß sie ausreichend genährt sind. Keiner kam auf (freien) Stellplätzen zu uns zum Futter-Betteln.
- Landestypische Küche: Man konnte günstig oder (relativ) teuer in Ecuador essen gehen, und dies haben wir bei jeder sich bietenden Gelegenheit genutzt. Was die Einzigartigkeit angeht, so haben Boris und ich unterschiedliche Meinungen. Während es für mich kein wirklich typisches, ecuadorianisches Essen gab, hat sich Boris durch die unterschiedlichsten Gerichte geschlemmt. Diese bestanden häufig aus lecker zubereitetem Fleisch oder Fisch, Reis, Kartoffeln oder Yucca, und Gemüse dabei. Eine Suppe oder Eintopf gab es oft als Vorspeise. Ceviche oder Mehrschweinchen hatten wir jedoch hier nicht probiert. Eine schöne Ergänzung waren für uns die deutschen Gerichte im Restaurant der Finca Sommerwind. Und der lustige Abend im koreanischen Restaurant zusammen mit Ine und Hans wird uns immer in Erinnerung bleiben. 😉
- Leute: Wir hatten bereits oben etwas zu „dem“ Ecuadorianer hinter dem Steuer eines Fahrzeuges geschrieben, und gerne möchten wir jetzt unseren Eindruck verfeinern. Wir hatten viele Begegnungen: In Werkstätten, an den Campingplätzen, in Supermärkten, an Tankstellen, in Städten und auf dem Land. Ecuadorianer sind für uns freundlich, aber nicht aufdringlich; dennoch sehr weltoffen und interessiert. Trifft man sich öfters, scheint „die Nuss geknackt zu sein“, eigentlich ähnlich wie bei Deutschen. Wir hatten sehr viele lustige Gespräche und von einigen hatten wir uns mit einer herzlichen Umarmung als Freunde verabschiedet. Trifft man jedoch auf ganze Gruppen, oder ist es in irgendeiner Form „anonym“, wie beim Fahren eines Autos – insbesondere eines Busses! -, so hatten wir den Eindruck, daß jeder nur „für sich kämpft“. Es scheint kein wirkliches Miteinander zu geben, obwohl der Einzelne auf uns doch so freundlich gewirkt hat. Auch wenn wir andere Locals beim z.B. Campen beobachteten, so bleibt jede Gruppe für sich und man grüßt sich nicht. Dies empfinden wir als sehr schade und können nur mutmaßen, woran dies liegen könnte.
- Land: Gerne würden wir jedem dieses Land als Urlaubsland empfehlen, denn es hat soooo viel Potential! Nur: Selber Fahren: Nein! Im Bus: Zu gefährlich! Nur auf die Galapagos Inseln fliegen: Eigentlich zu wenig! Wir nehmen die traumhafte Landschaft in unseren Erinnerungen mit, durch die wir glücklicherweise ohne jegliche Roadblocks fahren durften, die vielen Kolonialbauten in den Städten, aber insbesondere die tollen Begegnungen mit Luis, Kevin, Bryan, David, Edison und Team, Hans und sein ganzes Team, Margarita und Jorge. Und wir sind unendlich dankbar für die technische Hilfe, die wir bei unserem Fahrzeug bekommen haben, und die uns die Weiterreise hoffentlich ermöglicht!
Wir wünschen Euch jetzt ganz viel Spaß mit unseren letzten Bildern und dem Video aus diesem Land am „Mitad del Mundo“! Und machen damit gerne der aktuellen Fernsehberichterstattung über die heute begonnene Fußball WM Konkurrenz. 😉








































































































































































































