Improvisationsgeschick

von root

Der beste Freund im Haushalt und auch sonst wo ist: Na klar, der Kabelbinder! Was wären wir nur ohne ihn! Ein Hoch auf den Erfinder Maurus C. Logan (1958)! Ob zum Fixieren von – ja wirklich! – Kabeln, oder aber zum Sichern von (fast-)verloren-gegangenen Autoteilen: Man kann nie eine Großpackung zu viel an Bord haben. Und direkt danach folgt: Richtig! Der Spanngurt! Vielleicht weniger zu Hause benötigt, aber auf Reisen mit einem WoMo absolute Pflicht! So hängt auch unsere Plastik-Ölauffangwanne – für einen möglichen Ölwechsel – seit Jahren sauber und unbenutzt im Chassis-Rahmen, mit Spanngurt fest verzurrt, und hat bis jetzt jede Wellblechpiste überlebt. Was haben jetzt Kabelbinder und Spanngurt mit Improvisationsgeschick zu tun?

Improvisationsgeschick (lt. einer Google Recherche) „bezeichnet die Fähigkeit, ohne Vorbereitung, spontan und flexibel auf unerwartete Situationen zu reagieren und dabei tragfähige Lösungen zu finden.“

Die Kernkomponenten von Improvisationsgeschick:

  • Flexibilität und Anpassungsfähigkeit: Die Bereitschaft, starre Pläne sofort über Bord zu werfen, wenn sich die Rahmenbedingungen ändern.
  • Kreativität und Querdenken: Das Talent, vorhandene Ressourcen (Zeit, Material, Personal) auf unkonventionelle Weise neu zu kombinieren.
  • Stressresistenz und Gelassenheit: Die Fähigkeit, bei plötzlichen Problemen oder Zeitdruck Ruhe zu bewahren und keine Panik aufkommen zu lassen.
  • Entscheidungsfreude: Mut, schnell eine Wahl zu treffen, auch wenn das Risiko eines Fehlers besteht (Pragmatismus geht hier vor Perfektionismus).
  • Ressourcenorientierung: Den Fokus darauf zu richten, was im Moment verfügbar ist, statt dem nachzutrauern, was fehlt.

Insofern helfen Kabelbinder und Spanngurt absolut beim Improvisieren, und vor allem: Den Stresslevel in manchen Problemsituationen zu senken, denn man weiß ja, daß man sie an Bord hat.

Von den obigen 5 Punkten sind insbesondere jedoch der zweite und fünfte Punkt beim Reisen superwichtig, und reicht von der Improvisation mit Materialien, die man gerade mangels Geeigneter zur Hand hat, bis zur Nutzung bzw. „Fremdnutzung“ von Gegenständen und Werkzeugen, deren eigentlicher Zweck ansonsten ein anderer wäre. Welche Beispiele haben wir parat?

Unsere Eingangstreppe scheppert(e) wie wild beim Offroad-Fahren. Nun klemmen diese zwei Korken zwischen eingeschobener Treppe und Wohnkoffer fest. Und es war gar nicht so leicht, die richtige Korkenlänge zu finden *hicks*. 😉 Um uns aber nicht mit fremden Federn zu schmücken: Die Idee stammt eigentlich von Benny (FRM-Technik). Wir haben sie nur „tapfer“ ausgeführt. Dafür sichert jetzt – aufgrund eigener Idee – ein Hosen-Reflektor-Band, welches sich Radfahrer – zumindest früher – um ihre Hosenbeine gebunden haben, unsere Kühlschrankverriegelung. Doppelt hält besser, denn sie ist bei einer Rumpeltour tatsächlich und wider Erwarten aufgegangen. Aus Schaumstoff haben wir uns ein Polster bzw. die Halterung für unsere Gläser gebastelt. Nach fast 5 Jahren bröselt sie langsam ein wenig, aber bis jetzt ist noch kein Glas kaputt gegangen. Ok., beim Spülen, aber nicht beim Fahren! Wenn wir unser Abwassersystem auf „Winterbetrieb“ umstellen, so helfen uns diverse kleine oder große Eimer, um darin entweder zu Spülen, oder Zähne zu putzen. Folglich nur ein klein wenig zweckentfremdet.

Und was ist mit Kabelbindern und Spanngurten? Schwarze Kabelbinder zieren unsere Spiegelhalterungen ähnlich wie „Vogelspikes“ auf Fensterbänken, um Personen daran zu hindern, sich an unseren Spiegelarmen der Fahrerkabine hochzuziehen. Leider nur mit mäßigem Erfolg. Und sie haben auch schon unseren gebrochenen Auspuff gehalten, und Spanngurte den hinteren Stabi, als eine der Halterungen abgebrochen war. Zumindest zeitweise, bis zur nächsten Werkstatt.

Was Werkzeuge oder Hilfsmittel anbelangt, die zweckentfremdet wurden, so haben uns Karabinerhaken und Wäscheklammern schon fleissig geholfen, sich beim Fahren selbständig abrollende Klo- und Haushaltsrollen in Zaum zu halten. Und die Teleskopstange von unserem Sonnendach kann auch als Pfosten für unsere Wäscheleine herhalten, insbesondere ist eine davon aber unsere sog. „Hochhebehilfe“ für Äste und Kabel. Dazu haben wir eine passende Y-Astgabel von einem Baum so geschnitten und gebohrt, daß sie darauf paßt. Ein Abschleppseil haben wir inzwischen in unserer Fahrerkabine parat liegen, um von innen, von einer Seite, die Tür auf der anderen Seite zu sichern, falls derjenige bei kräftigem Rückenwind aussteigen muß, um die Tür nicht wie ein Segel aufschlagen zu lassen. Und als wir unsere rausgebrochene Platte, auf der der Kühlschrank steht, zwecks Reparatur sichern mußten, so half uns darunter unsere Haushaltsleiter, auf der wiederum dann unser 12 to Wagenheber die Platte hochhob.

Was hat dann das Titelbild mit diesem Beitrag zu tun? Uns ist die Spezialschraube der Brennerabdeckung abgeschert, als wir sie zwecks Reinigung des Gasbrenners herausschrauben wollten. Ein wohl bekanntes Problem bei solch‘ einem Herd, der nicht von Spartherm ist! 🙁 Nun ja, wir müssen jetzt diese Abdeckung erstmal sichern – daher der Handschuh -, bis wir Ersatz bekommen. Aktuell noch nicht absehbar, wie lange dieses dauern wird.

Insofern kann jeder Overlander die eine oder andere Geschichte erzählen; ist Improvisationsgeschick – wenn auch vielleicht nicht zwingend -talent – wichtig, um beim Reisen über die Runden zu kommen. Zu oft ist man fern von dem nächsten Baumarkt, oder kann sich passende Dinge nicht einfach zuschicken lassen, und die nächste „Baustelle“ bzw. Herausforderung kommt bestimmt. 😉

(Musik von: https://www.musicfox.com/)

 

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