Länderfazit Kolumbien

von root

War das eine abwechslungsreiche Zeit in Kolumbien, vor allem: Landschaftlich! Erst Mitte 2025 wurde Kolumbien vom renommierten Forbes Magazin zum drittschönsten Land der Erde gekürt (https://colombiaone.com/2026/01/18/colombia-third-most-beautiful-world/). Für uns absolut zu Recht! Aber wir wollen nichts vorwegnehmen; lest Euch also durch unser Länderfazit. 😉 An dieser Stelle zunächst jedoch der Verweis auf unsere gefahrene Route: HIER.

Beginnen wir also wie gewohnt mit den weniger subjektiven Faktoren:

  • Wetter: Angekommen sind wir in Cartagena, bei gefühlt immer etwas zwischen 30-40° C. Und nachts kühlte es auch nie wirklich ab. Später, in den Höhenlagen, war es dann schon etwas erträglicher, so um 20-25° C tagsüber, aber dann ging es wieder runter in die Hitze. Wir sind von Mitte Januar bis Mitte März durch Kolumbien gefahren, und sind von der Hitze in den niedrigeren Höhenlagen immer wieder in die Berge geflüchtet. Es war ansonsten wirklich sehr heiß und unsere kleinen Ventilatoren waren rege im Gebrauch. Tja, unsere Klimaanlage geht ja seit Verschiffung nicht mehr… ☹ Eigentlich dachten wir, wir wären in der Trockenzeit unterwegs, aber Trockenzeit ist nicht mehr Trockenzeit. Es hat zwar nicht tagelang geregnet, aber doch häufiger und länger, als wir dachten. Vor allem auch mit Starkregen. Dies führte dann auch zu einigen Hangabrutschen bei Straßen bzw. Bergpisten, die so gut wie nie gesichert sind.
  • Stellplätze: Wie in den nördlicheren, lateinamerikanischen Ländern ist auch Kolumbien nicht gerade ein Freistehland; wir standen ca. 1/3 unserer Plätze frei, was jedoch schon deutlich mehr als in Mexiko ist. Wir haben zwar versucht, wo möglich, umsonst zu stehen, aber in erster Linie waren wir auf kostenpflichtigen Campgrounds oder Stellplätzen. Sehr oft mußten wir diese verhandeln, da zunächst immer höhere Preise verlangt wurden. Auch die eine oder andere Tankstelle oder Rastplatz war mal dabei, wenn man auf langen Strecken für die Nacht stehen mußte. Die Campgrounds sind in der Regel nett angelegt, z.B. auf einer Wiese, aber nicht immer gab es Sanitäranlagen, oder wenn, dann war die Dusche kalt. Kein Problem für uns, da wir ja unser eigenes Bad an Bord haben bzw. kalte Duschen bei heißen Temperaturen angenehm sind. Öfters boten jene Campgrounds auch eine Möglichkeit, bei ihnen zu essen.
  • Wasser: Diesen Aspekt hatten wir total unterschätzt! Es fing bereits in Cartagena an, wo wir Schwierigkeiten hatten, (umsonst) Wasser zu füllen. Man wollte uns zunächst ca. 50 l füllen lassen, aber da wir nach der Verschiffung komplett leer waren, war uns dies natürlich zu wenig. Letztendlich haben wir es geschafft, eine Lösung zu finden, aber es zog sich irgendwie über die nächsten Wochen durch. Gab es mal Wasser an Campgrounds, so war die Wasserqualität meistens nicht berauschend (gelblich, schmierig, viele Partikel). Und dort, wo wir dachten, dies sei ok., haben wir trotz vorherigem Entnehmen von Wasserproben die winzigen Partikel wohl übersehen, denn bereits nach 3x Wasserfüllen waren unsere letzten beiden Sedimentfilter dicht. Wir haben dann erst gesehen, daß der Kern aus Carbon bestand, und somit war klar, daß es hat Probleme geben müssen. Wir haben hierüber einen eigenen Bericht verfasst. Fazit für uns: Kolumbien war für uns das erste Land, wo wir wirklich Probleme mit Wasserqualität und Befüllung hatten, und irgendwie haben wir keine wirklichen Agua Purificada Shops gesehen. Also, sollte man mal gutes Wasser finden, am besten immer gleich voll machen!
  • Strom: Unsere Batterien waren immer über 70..80% gefüllt, denn selbst, wenn es mal geregnet hatte, kam dann auch gleich wieder die Sonne. Also, Autarkie durch eigene Stromerzeugung!
  • Müllentsorgung: Da wir meistens irgendwo bezahlpflichtig standen – und selbst auf kostenlosen Plätzen wie Tankstelle & Co. -, gab es Mülleimer. Deswegen war es für uns immer einfach, unseren Müll rechtzeitig entsorgen zu können. Ab und an haben wir auch gesehen, daß Müll verbrannt wurde, aber dies war nichts im Vergleich zu Mexiko. Sehr oft haben wir auch Müllabfuhren gesehen, was die Sache für die Anwohner natürlich vereinfacht. Und vorweg: Auch die Städte und Dörfer waren oft tip-top sauber. Damit hätten wir nicht gerechnet!
  • Lebensmittel: In Cartagena waren wir erstmal in einem Exito, um von Grund auf – nach der Verschiffung – erstmal alles Notwendige zu kaufen. Wir hatten ja selbst Basissachen wie Gewürze, Mehl & Co. nicht mehr mit dabei. Ab dann waren wir i.d.R. in den D1 Shops einkaufen, die für ihre kleine Größe ein gutes Sortiment bieten. Man darf allerdings keine wirkliche Vielfalt erwarten, aber für uns hat es für die Zeit in Kolumbien gereicht. Schwieriger war da schon die Parkplatzsuche, denn die D1 Läden haben meistens nur wenige Parkplätze in PKW-Größe davor. So haben wir schon vor Besuch im Internet geschaut, ob wir irgendwo in der Nähe parken können, damit wir später nicht umherirren. Da wir relativ oft Essen gegangen sind, war es für uns akzeptabel, daß die Auswahl der Lebensmittel nicht über die Maßen war. Wir hatten den Eindruck, daß Essen Gehen deutlich günstiger ist als Selberkochen.
  • Dieselpreis: Die günstigste Füllung Diesel rauschte für umgerechnet 60 Euro-Cent in unsere Tanks, die teuerste für 70 Euro-Cent. Im Schnitt hatten wir für 65 Euro-Cent gefüllt. Da zum einen die Tankstellendichte relativ hoch war, zum anderen es ständig auf und ab ging, sind wir nie mit zwei gefüllten Tanks gefahren. Wir haben lieber mehrmals 100 l nachgetankt, als mit unnötig viel Gewicht zu fahren.
  • Daten/Internet: Wir hatten entschieden, daß wir in Kolumbien mit unserem mexikanischen Starlink Vertrag weiter umherfahren. Dieser wurde mittlerweile auf 100 GB – zu gleichem Preis – von Seiten Starlink erhöht. Das Reaktivieren nach Verschiffung erfolgte problemlos. Wir kommen derzeit mit diesem Volumen gut aus, da auf den meisten Campgrounds – wenn auch nicht auf allen – WiFi angeboten wird. Zudem funktionieren unsere eSIM-Karten aus Mexiko weiterhin in Kolumbien, so daß wir diese nur aufgestockt hatten.

Und unsere subjektiven Eindrücke:

  • Straßen: Für uns ein Albtraum! Auch wenn die Qualität der Straßenoberflächen zumeist besser als in Mexiko war, so ist der Verkehr einfach ein Horror. Schon gleich in Cartagena wuselten unzählige Motorräder um uns herum, und es wirkte, als ob es nicht wirklich Verkehrsregeln gibt. Anarchie im Straßenverkehr schien groß geschrieben zu werden, egal ob für Motorräder, PKWs, Pick-ups oder LKWs. Letztere schieben sich oft die Bergstraßen hoch und stauen wegen ihrer Überladung den Verkehr hinter sich auf. Doch dieser hat kein Problem, auch in Kurven und anderen, uneinsehbaren Stellen zu überholen. Kurvenschneiden ist übrigens Standard, egal, ob notwendig oder nicht. So sahen wir uns sehr oft mit Gegenverkehr auf unserer eigenen Spur konfrontiert. Wir sind immer noch heilfroh, daß wir – bis auf den einen, eigen verschuldeten Unfall – keinen weiteren Zusammenprall hatten. Zu diesem wilden Verkehr kommen auch noch viele parkende Fahrzeuge halb auf der Fahrbahn hinzu, da vor den vielen kleinen Shops am Straßenrand einfach keine Parkplätze existieren. Das hält den Truckfahrer also nicht davon ab, plötzlich halb auf der Fahrbahn stehen zu bleiben, um im kleinen Imbiss nebenan erstmal zu Mittag zu essen. Es war für uns sehr anstrengend, mit unserer Größe in jenem Land zu fahren, und dies inkludiert nicht nur die Trampolin de la Muerte. Des Öfteren hingen Äste mitten in die Fahrbahn, und nicht alle konnten wir hochheben. Und schräg hereinragende Bäume sind selbst auf Hauptstraßen keine Seltenheit, so daß wir oft nicht wirklich unsere rechte Spur halten konnten. Wenn es Topes gab, dann hatten diese zwar oft Sinn – wie z.B. bei Schulen -, aber bei bergauf Straßen „lagen“ diese plötzlich einfach „im Weg“. Da ist das Anfahren am Berg wirklich kein Spaß. Dorfdurchfahrten sind meistens immer sehr eng, und wenn dann Umgehungen aufgrund Baustellen nicht ausgeschildert sind, kann es schon mal sehr „anstrengend“ werden… Die Autos sind häufig auch vorne und an allen Seitenscheiben schwarz beklebt, so daß man die Insassen nicht sehen kann. Man erklärte uns, dies sei aus Sicherheitsgründen so, aber es verhindert doch den notwendigen Augen-Kontakt, wenn man die Reaktion des anderen, also des Fahrers, checken möchte. Die Mautgebühren haben sich auch wieder geläppert, auch wenn wir manchmal kostenlos – wie andere Fahrzeuge auch – durchgewunken wurden, und es eine explizite Camper-Kategorie gab (identisch mit der PKW-Kategorie). So mußten wir nur 1..2 Mal diskutieren.
  • Flora & Fauna: Landschaftlich hat uns Kolumbien umgehauen! Lag es an den vielen, bewachsenen Bergen und Hügeln, mit Bäumen, Sträuchern, Kakteen oder Palmen. Oder lag es an den tiefen Tälern und Canyons, an den steppenähnlichen Weiten, an den Seen, den ungewöhnlichen Wachspalmen, … Kolumbien war für uns ein riesiger „Dschungel“, ohne jedoch undurchdringlich zu sein. Alles sooo schön grün!!! Man fährt „ein paar Kilometer“, und auch wenn sich die Landschaft nicht schlagartig verändert, so gibt es doch immer wieder neue Highlights zu entdecken. Jedoch: Wir hätten mit mehr Tieren gerechnet. Und die vielen verschiedenen Mückenarten, die uns plagten, möchten wir ungern dazu zählen. Einmal hatten wir tatsächlich mehrere hunderte Bisse von vermutlich Black Flies am Körper. Und die juckten über Wochen!!! Wir haben schöne Vögel gesehen, so auch den vielleicht eher ungewöhnlichen, als wirklich hübschen Andenfelsenhahn. Oder viele Kolibris. Aber größeres Getier haben wir nicht bemerkt. Und die Kühe zählen wir mal nicht mit dazu.
  • Landestypische Küche: Wir sind tatsächlich öfters essen gewesen, als gedacht, aber wir haben meistens das günstige „Menu del dia“ genommen. Dieses kostet oft nur 5 € p.P., inklusive Getränk. Zumeist bestand es aus einer Suppe als Vorspeise, dann Fleisch (Schwein, Rind oder Huhn), und immer viel Reis und etwas Gemüse mit dabei. Toll fanden wir die Tour bei Gumer, als er uns seine viele Früchte im eigenen Garten probieren ließ, nur leider haben wir die ganzen Namen vergessen. Aber lecker waren sie. Kolumbien ist auch bekannt für seinen Kaffee-Anbau, und so hätte man die eine oder andere Tour machen können.
  • Leute: War der Start in Cartagena noch in einer Stadt, die auf Touris (mit Geld) ausgerichtet ist, so haben wir im Land viel Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft vorgefunden. Schon gleich, als uns die Abgasanlage durchgebrochen war, hat uns zum einen der Stellplatzbetreiber unterstützt und seinen Freund aus der Werkstatt angerufen. Und als wir am nächsten Tag dort waren, hat dieser sich darum gekümmert, daß wir in einer passenden Werkstatt – inklusive vereinbartem Local-Preis! – landen. Dort wiederum kümmerte man sich sehr lieb um uns und unterhielt uns während der ganzen Reparatur; und dies nicht nur durch die Mechaniker, sondern auch durch die gesamte Nachbarschaft.
  • Heikles Thema „Drogen“: Wir haben häufiger beobachten können, daß Drogen im Alltag konsumiert werden, jedoch haben wir nie wirklich bekiffte oder herumliegende Menschen gesehen. Einmal standen wir ja auch auf einem, wenn nicht gar DEM Drogenspot einer Stadt. Wir sind jedoch nie direkt damit in Berührung gekommen, oder wurden belästigt. Einzig in Cartagena wurde uns Kokain angeboten. Alles jedoch sehr unaufdringlich.
  • Wir haben während unserer täglichen Fahrzeiten sehr oft den „Daumen hoch“ gezeigt bekommen, oder man filmte uns, während wir überholt wurden. Spätestens aber, wenn wir gewunken oder die Kolumbianer angelächelt hatten, wurde überschwänglich zurück gewunken. Wenn man wollte, kommt man leicht mit ihnen in Kontakt, nur der ersten Schritt sollte normalerweise schon von dem Reisenden kommen.
  • Land: Wir können jedem nur empfehlen, in diesem wunderschönen Land Urlaub zu machen. Dann aber vielleicht nicht im eigenen Mietwagen, sondern als geführte Tour, damit man sich nicht die ganze Zeit auf den anstrengenden Verkehr, sondern die tolle Natur konzentrieren kann. Wir haben uns die ganze Zeit sicher gefühlt, auch wenn dieses Land im Vergleich zu Mexiko ärmer ist; wir wurden nie belästigt oder hatten gar „merkwürdige“ Kontrollen durch Offizielle. Neben der grünen Landschaft haben uns die bunten, farbenfrohen Städte und Dörfer sehr gefallen. Immer wieder mit einem großen Plaza Major, an dem reges Treiben herrschte. Es wurde alles mit Liebe gehegt und gepflegt, und es wirkte, als ob alles in einen großen Farbtopf gefallen ist. Ein Bummel durch diese Ortschaften war einfach wunderschön. Und dann noch die bunt bemalten Tuktuks… 

Wir wünschen Euch jetzt ganz viel Spaß mit unseren letzten Bildern und Videos aus diesem tollen Land!

(Musik von: https://www.musicfox.com/)
(Musik von: https://www.musicfox.com/)

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