Ich beginne, diese Zeilen zu tippen, als wir im Flieger von Mexiko nach Panama sitzen. Wer hätte das gedacht, daß wir es jemals schaffen, Mexiko zu verlassen. 😉 So sehr hat uns dieses faszinierende Land in seinen Bann gezogen, aber hierzu wird es natürlich noch ein eigenes Länderfazit geben. Dieser Blogbeitrag ist daher dazu gedacht, unsere Erfahrungen unserer Fahrzeugabgabe in Mexiko (Veracruz) zu dokumentieren, sozusagen als Teil 1. Teil 2 wird zukünftig unsere Erfahrungen bei der Fahrzeugabholung in Kolumbien (Cartagena) zusammenfassen. Die Auflistung sämtlicher, für uns wichtigen Informationen zur Organisation jener Verschiffung findet Ihr HIER. An dieser Stelle berichten wir über unsere subjektiven Erfahrungen und versuchen, anderen Tipps zu geben. Uns ist daher bewußt, daß dieser doch sehr lang geratene Blogbeitrag eher diejenigen unter Euch ansprechen wird, die eine Verschiffung planen, und für alle anderen vermutlich unlesbar ist. 😉 Gerne meldet Euch bei uns, wenn noch Fragen offen sind.
Wichtig war für uns, daß wir vor der Verschiffung Patsha noch einmal grundlegend reparieren. Wir hatten uns gegen eine Rückverschiffung mit Reparatur in Deutschland entschieden, wollten aber zumindest die für uns wichtigsten Punkte noch hier vor Ort in San Miguel de Allende umgesetzt wissen. Alle für die Reparatur benötigten Ersatzteile hatten wir an Bord, so zumindest unser damaliger Irrglaube. Es stellte sich leider erst bei genauerer Analyse vor Ort in der Werkstatt heraus, daß wir doch noch 2 Komponenten benötigen. Ärgerlich, denn die Punkte an sich waren nicht neu für uns, aber wir hatten gemutmaßt, es sind nur Leitungen zu flicken, oder der Leerlaufregler-Drehknopf neu zu befestigen. Fehlanzeige! Also, erster Tipp für Euch: Besser erst die Analyse in einer Werkstatt machen lassen, bevor man – wie wir – nochmal einen kurzen Heimaturlaub einlegt, denn dann hätten wir alles Notwendige dabeigehabt. So mußten noch einmal Teile bestellt und nach Mexiko importiert werden, und auf Werkstattbesuch Nr. 1 folgte dann Nr. 2 – als endlich nach über 2 Wochen die Ersatzteile vor Ort waren. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir unsere Verschiffung noch nicht gebucht, aber bereits erfahren, daß es nur eine einzige Fahrt im November, als auch nur eine einzige im Dezember `25 gibt (Veracruz nach Cartagena). Zumindest mit K-Line. Die Reederei Hoegh hatten wir nicht in Betracht gezogen, da ihre Route über Jamaica führt und uns einer der Verschiffungsorganisationen eindringlich von jener Route abgeraten hatte: Die Statistiken von Hoegh bzgl. Einbrüchen sollen dort und auch generell recht hoch sein, wobei wir dazu sagen müssen, daß wir diesbzgl. keine eigene Erfahrung und auch jene Statistiken nicht selber gesehen haben. Wir haben uns dennoch bzw. folglich für K-Line entschieden und den Dezembertermin während unseres zweiten Werkstattaufenthaltes mithilfe von Seabridge reserviert. Als wir jedoch informiert wurden, daß es u.U. noch klappen könnte, daß wir den Novembertermin schaffen könnten, hat uns Seabridge pro-aktiv umgebucht, d.h. vorverlegt. Bis zu jenem Zeitpunkt lag uns jedoch keine schriftliche Bestätigung mit einer Buchungsnummer vor.
Wir hatten Pech: Die Werkstatt schaffte es nicht, bei Aufenthalt Nr. 2 unsere beiden Dinge zu reparieren, und es stand ein verlängertes Wochenende aufgrund eines nationalen Feiertages (Revolution Day) an. Und genau dieses wurde uns jetzt zum Verhängnis. Hätten beide Reparaturen erledigt werden können, hätten wir zwar etwas Gas Geben müssen, um nach Veracruz zu kommen, und um auch noch die Fzg.-Vorbereitungen für die Verschiffung zu schaffen, aber es hätte klappen können. Zumindest einer von uns war voller Hoffnung, der andere für Risikominimierung. 😉 Man muß dazu wissen, daß man am Hafen von Veracruz das eigene Fahrzeug 7-10 Tage vor(!) Schiffsankunft abgeben muß; dies erfordern die lokalen Regularien, seit der Hafen unter Militärkontrolle steht (seit ca. 2023). Es stellte sich jedoch heraus, daß die lokale Agentin vor Ort – von Cevertam, mit der Seabridge zusammenarbeitet – auch noch keine Buchungsbestätigung von unserem Novembertermin durch Seabridge erhalten hatte, und wir hätten vermutlich auch erst 6 Tage vor Schiffsankunft am Hafen sein können. Aus diesem Grund war es dann irgendwann ersichtlich: Patsha kommt nicht mehr auf das November-Schiff. ☹ Uns fehlten 1-2 Tage zu einer rechtzeitigen Abgabe. Seabridge hat uns dann auf den ursprünglich anvisierten Termin 4 Wochen später im Dezember „zurückgebucht“ und hierüber haben wir dann auch zügig die Buchungsbestätigung inkl. -nummer erhalten. So haben wir dann unsere Route für die nächste Zeit innerhalb Mexikos großzügig geplant, denn nunmehr hatten wir Zeit. Gerne hätten wir zusammen mit Susi und Matthias (von Leoläuft) verschifft; aber so haben die zwei uns immer wieder ganz lieb über alle ihre Schritte auf dem Laufenden gehalten.
Es gab einige Dokumente auszufüllen und zu unterschreiben, z.B. eine Haftungsbefreiung für K-Line; und wider Erwarten wurde keine Packliste für die Inhaltsversicherung erwartet, sondern nur eine Auflistung von Kategorien (z.B. Küchenutensilien, Anziehsachen), die wir an Bord hatten. Wir haben eine Vorlage von Seabridge erhalten, die wir entsprechend angepaßt haben. Etwas Verwirrung herrschte jedoch, ob wir jetzt ein Fahrrad – keine eBike! – mit dabeihaben dürfen oder nicht, da in einigen Unterlagen stand, daß dies nicht ok. sei. Jedoch toleriert K-Line – so die erhaltene Aussage – angemeldete Fahrräder – im Gegensatz zu Hoegh –, und wichtig war auch, daß wir die Anzahl dieser der lokalen Verschiffungsagentin mitteilten. Eine zweite, andersartige Packliste, die wir von ihr erhalten hatten, brauchten wir final nicht mehr ausfüllen, sondern es reichte jene von Seabridge.
Überraschung! Mit Buchungsbestätigung erhielten wir einen neuen Verschiffungstermin, in dem die Abfahrt 2 Tage nach hinten verschoben wurde, aber die geplante Ankunft in Cartagena mit dem 03.01.26 gleichblieb. Auf der Route sollte es noch einen weiteren Stopp in Mexiko geben, sowie auch in Costa Rica, bevor „unsere“ Victoria Highway in Cartagena einläuft. Wir hatten dann selber noch mit Erhalt jener Mail-Bestätigung den Fahrplan direkt auf der K-Line Homepage geprüft, und: Überraschung Nr. 2! Das Schiff läuft jetzt auch noch zusätzlich Florida / Jacksonville an! Wie das? Auf Nachfrage erhielten wir von Seabridge die Auskunft, daß die USA plötzlich (zusätzliche?) Zölle auf RoRo gestrichen hat, und so hat sich K-Line entschieden, doch Waren/Fahrzeuge mit in die USA zu transportieren bzw. von dort abzuholen. Für uns bedeutete dies: Aus 6 Tagen, die das Schiff fährt, werden urplötzlich 16 Tage: Die Ankunft in Veracruz wird um 6 Tage vorverlegt; die Ankunft in Cartagena ist dafür 5 Tage später! Und wenn man bedenkt, daß man 7-10 Tage vorher sein Fahrzeug abgibt, und nachher auch noch einmal 3-5 Tage braucht, um es am Zielort abholen zu dürfen, wird schnell klar: Wir sind bestimmt für einen ganzen Monat „homeless“, und dies, ohne eine zusätzliche Verspätung mit einzurechnen. Aber der nächste Fahrplan im Januar sieht noch „schlechter“ aus, da noch mehr Häfen angelaufen werden. Sehr ärgerlich, denn hätten wir den Novembertermin geschafft… Aber es half nichts; wir hatten jetzt entschieden, nach Südamerika zu verschiffen, also Augen zu und durch! Für uns war eher die Sorge: Je länger ein Schiff unterwegs ist, desto mehr bleibt Zeit für einen Einbruch (auf See), und es gibt da einige Horrorstories…
Wir machen einen Sprung nach vorne: Mit der Agentin von Cevertam, die die Kommunikation via Email bevorzugt und anfänglich auch gar nicht auf What’s App geantwortet hatte, haben wir den 15.12. zwecks Abgabe von Patsha im Hafen vereinbart. Irgendwann trudelte auch die Transportversicherung von Seabridge ein, die wir bezahlten. Wir sind eine knappe Woche vor jenem Termin auf den Campground CocoAventura, südlich von Veracruz, gefahren, um mit den Fzg.-Vorbereitungen zu beginnen und nach 5 Tagen waren wir fertig. Wir haben uns jedoch auch nicht gestreßt. Final hätten wir es in 3 Tagen schaffen können. Boris hat Patsha zweimal außen gereinigt – wir haben uns zuguterletzt die Waschanlage gespart – und insbesondere die Radkästen sauber gemacht. Zu diesem Zeitpunkt wußten wir noch nicht, daß es wenige Kilometer vor der späteren Hafeneinfahrt eine längere Baustelle geben wird, durch die wir durchmußten, und dies hieß: Schlamm. Also, schön langsam fahren, damit die mühevolle Reinigung nicht für die Katz war. Unser späterer Eindruck war, daß das Auto bei der Abgabe sauber sein sollte, aber man muß sich nicht darin spiegeln können, d.h. eine normale Reinigung ist ok. Es sollten keine Dreckklumpen o.ä. am Chassis hängen. Das Fahrerhaus muß zudem komplett ausgeräumt sein – oh Gott! Wohin mit dem ganzen Geraffel? –, und auch der Wohnkoffer sollte sichtleer sein. Insofern hieß es, kreativ den eigentlich nicht mehr vorhandenen Stauraum zu füllen. Und ja, leider hat es unser Campingstuhl aus den USA nicht geschafft, mitzukommen. Wir hatten wirklich keine Idee mehr, wohin wir diesen noch quetschen könnten. Bzgl. der Schmierstoffe stand in der Liste, daß diese nicht erlaubt sind; ebenso keine brennbaren Flüssigkeiten. Wir wollten jedoch die angefangenen Öle & Co. nicht entsorgen und haben sie im Unterflurkasten mitgenommen. Final wurden diese bei der späteren Zoll- und Drogenkontrolle im Hafen nicht beanstandet. Feuerzeugbenzin o.ä. haben wir jedoch vorsorglich entsorgt. Wichtig ist, daß keine Lebensmittel – auch keine Gewürze & Co. -, sowie Getränke mehr an Bord sind, und wir haben diese gut vertilgt. Alles weg! 😉 Ebenso darf absolut kein Geld mehr im Fahrzeug verbleiben, da dieses der Drogenhund aufspürt. Und man darf nichts mehr aus dem Hafen wieder mit hinausnehmen, sollte man mal etwas vergessen haben!
Mit unserem Gas hatten wir Glück, denn die Anzeige stand schon für den Novembertermin auf „rot“ bzw. „leer“, und so hatten wir seitdem unsere Elektro-Herdplatte für die meiste Zeit des Kochens benutzt. In einer Stunde war damit das Gas-Abfackeln für uns erledigt, aber wir wissen von unserer damaligen Verschiffung Hamburg-Halifax: Dies kann gaaaaaaaanz lange dauern! Ich glaube, es waren damals 9 Stunden mit allen Brennern (Herd, Ofen, Plancha-Grill), also: Plant dafür besser reichlich Zeit ein! Glücklicherweise haben wir keine Komposttoilette, aber wir wissen von anderen Reisenden, daß ihnen die benötigten Kokosziegel abgenommen wurden. Daraufhin hatte uns Cevertam auch noch einmal vor Ort hingewiesen; also, keine pflanzlichen „Dinge“ an Bord haben! Und Medikamente? Wichtig ist, daß man für verschreibungspflichtige das Rezept dabeihat. Ansonsten scheint ein „First Aid Kit“ ziemlich „erweitert ausgelegt zu werden“. Wir hatten uns dennoch entschieden, 90 % unserer Medikamente im Fluggepäck mitzunehmen und nur der Rest verblieb im Erste-Hilfe-Koffer. Bei der Zoll- und Drogenkontrolle wurden wir jedoch nicht danach gefragt, jedoch andere Reisende zuvor. Der Schrank, wo unser First Aid Kit war, wurde jedoch durchsucht.
Während unserer Vorbereitungszeit an der Küste von Veracruz hatten wir wettertechnisch Glück. Bis auf unseren Ankunftstag – Regen mit Sturm! – blieb es die Zeit über trocken, zumindest tagsüber. Nachts war alles außen am Auto klatschnass, aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit, aber wir erachten den Platz auf dem Rasen dennoch als ideal, hier sein Fahrzeug für die Verschiffung vorzubereiten – bei gutem Wetter! Wir hatten versucht, bei dem Hotel, welches wir für die nächste Zeit in Veracruz vorsahen, das Ok. zu bekommen, unsere Vorbereitung auf dem dortigen Parkplatz zu erledigen, ohne daß wir erstmal ein Zimmer bei ihnen buchen – erst später, wenn wir Patsha abgegeben hätten. Aber leider haben wir hierfür eine Absage erhalten. Einzig, die im Rasen versteckt lebenden, roten Ameisen waren an jenem Campground ein Graus – neben den kalten Duschen. In den ersten 2 Tagen haben wir die winzigen Kriechlinge gar nicht bemerkt, aber dann waren plötzlich, von einem Moment auf den anderen, insbesondere Boris Füße von ihnen übersät und sie krabbelten überall hin. Die Säure hat die Haut stark angegriffen; es brannte und juckte. Erst nach einer knappen Woche ließen die Symptome nach; die Hautstellen waren wirklich verätzt.
Und was war noch in jener Woche: Wir kamen auf die Idee, mal wieder einen Lichtcheck zu machen, und: Unsere beiden Bremslichter funktionierten nicht. ☹ Kurzzeitig kam Panik auf, denn wir hatten dieses doch noch in der Werkstatt vor ein paar Wochen geprüft, zumindest nach dem Austausch des hinteren, linken Rücklichtes. Um es kurz zu machen: Es war ein Steckkontakt am Fußbremspedal, welches nicht (mehr) angeschlossen war. Vermutlich fuhren wir damit schon so seit Verlassen der Werkstatt herum. Die Analyse hatte länger gedauert, das Anstecken dann wenige Sekunden, und: Yeah! Alles funktionierte! Wir waren sehr erleichtert! Also, Tipp an alle Reisenden, nicht nur vor der Verschiffung: Ab und zu mal einen Lichtcheck! 😉
Info: Normalerweise kann nur der Fahrzeughalter das Fahrzeug im Hafen abgeben. Aufgrund eines gesundheitlichen Umstandes mußten wir dieses ändern, und es geht: Cevertam benötigt hierfür nur den Reisepass, ein Foto der Person, das FMM und den Führerschein desjenigen, der das Fahrzeug in den Hafen fährt, um denjenigen bei der Hafenmeisterei registrieren zu lassen. Wir hatten dieses zeitnah initiiert, jedoch damals keine Info erhalten, ob dieses auch geklappt hatte. Kurzum: Hatte es nicht, da wohl ein Dokument von uns fehlte, aber Cevertam hat dies am Tag der Abgabe dann doch noch möglich gemacht! Ein Hoch auf die mexikanische Flexibilität!
Der Tag vor Patshas Abgabe: Wir ziehen in ein Hotel im Süden von Veracruz um. Perfekt, um die Koffer und sonstiges Geraffel erstmal aus dem Blickfeld zu haben, und noch einmal die eigene Checkliste durchzugehen. Nichts vergessen! Nur leider bemerken wir erstmalig nach der sehr regnerischen Nacht zuvor: Unsere Behelfsreparatur, unsere Klimaanlage auf dem Fahrerhausdach fester „anzuziehen“, so daß keine Lücke bleibt, in der Regen hineinlaufen kann, hat nichts gebracht. Nach vielen Monaten entweder ohne Regen oder nur normalem Regen haben wir zum ersten Mal wieder einen (leichten) Wassereinbruch im Fahrerhaus. Was für ein besch… Timing! Aber jetzt ist es zu spät; wir können nichts mehr machen, als einfach nur ein Tuch im Fahrerhaus hinzulegen, welches das Wasser auffangen soll. Zudem ist unser Riemengeräusch, mit welchem wir die Werkstatt verlassen hatten, inzwischen dauerhaft da, nicht nur bei Motorerststart und bis zum Kompressor-Abblasen von 8 bar. Wir fluchen, aber jetzt noch den Riemen nachzuspannen, ist uns zu risikoreich! Wir wissen also, was wir als Erstes tun müssen, wenn Patsha in Kolumbien ankommen wird, noch bevor wir das Fahrerhaus wieder einräumen. Was für ein Mist! Wenigstens ist das Hotel in Veracruz gut und bezahlbar (Hotel Holiday Inn Express Boca del Rio)! Eine tolle Empfehlung von Eva und Alfred (Globenomaden)! Großes Zimmer, sehr freundliches, hilfsbereites Personal, und im Nachbarhotel kann man für einen akzeptablen Preis das wirklich gute Buffet (nur zw. 14-18 h) plündern! Die Restaurants in der Nachbarschaft nehmen enorme Preise und wir haben uns zumindest einmal hierzu hinreißen lassen. Ab dann sind wir jedoch für die nächsten Tage Stammgast an jenem Buffet. Sehr zu empfehlen, wenn man ein paar Kilos zulegen möchte!
Der Tag von Patshas Abgabe: Um jeglichem Stau zu entgehen, fahren wir bereits kurz vor 7 Uhr los; Treffpunkt ist 8 Uhr am Agentenbüro. Wir kommen eine halbe Stunde zu früh an und werden direkt an der Straße eingewiesen. Richtige Parkplätze gibt es für unsere Größe nicht; aber ein Hütchen hinter uns muß es richten. Bis ein weiteres Expedi hinter uns parkt, welches auch – aber auf einer anderen Route – verschifft, und unser „natürlicher Puffer“ ist. 😉 Im Büro werden noch einmal alle Dokumente geprüft und derjenige von uns, der Patsha abgibt, bekommt eine Warnweste; der andere wartet im Büro. Dann geht es auch schon im Konvoi los zum Hafen. Von Büro bis zum endgültigen Platz im Hafen wird Patsha noch einmal 30 km (!) zurückgelegt haben, so lang ist der Weg bzw. so groß das Hafengelände. Erste Kontrolle von Papieren – einer der Mitarbeiter jenes Agentenbüros fährt in Patsha mit -, dann geht es direkt zur Hafenmeisterei, um den Fahrer zu registrieren. Danach fährt man durch den Scanner, danach wieder ein Kontrollpunkt der Zollbehörde. Auf dem endgültigen Platz wird Patsha geparkt und man unterschreibt einem Hafenmitarbeiter ein Papier, in welchem er grob die Kratzer an Patsha notiert. Listo! Die Fahrerkabine bleibt unverschlossen; der Schlüssel im Inneren. Den Wohnkoffer durften wir abschließen und die Schlüssel verblieben bei uns. Dann wird man von Cevertam zu einem anderen Gebäude der Hafenmeisterei gefahren, wo man durch eine Kontrolle den Hafen zu Fuß verläßt. Tja, rein kamen wir, aber raus gab es dann doch plötzlich Probleme, weil irgendwie die Personeninfos im System nicht zu denen von der Registrierung beim Einlass paßten. Wäre aber auch nicht so schlimm gewesen, denn unser Zuhause stand ja vor Ort. 😉 Zurück dann wieder zum Cevertam Büro über einen direkten, nur für PKW machbaren Weg, und 10 min. später war man dann wieder im Büro. Das Ganze hat knapp 4 Stunden gedauert, wobei auch viel Warterei an den verschiedenen Kontrollpunkten dabei war! Zwischenzeitlich wurde von Cevertam auch unser TIP storniert, und wir konnten die Zollgebühr für Veracruz (in USD) bar bezahlen. Man kann auch in Pesos bezahlen oder mit Kreditkarte, wobei für letzteres eine Gebühr anfällt.
Ursprünglich wollten wir vom Cevertam Büro mit dem Uber zurück zum Hotel fahren, und die App schlägt einem auch Fahrten vor. Jedoch wurden wir unterrichtet, daß lokale Behörden Uber verboten hätten, so daß der Fahrer mit umgerechnet mehreren Hundert Euro Strafe belegt werden würde, wenn man ihn erwischt. Also, besser ein lokales Taxi nehmen, was standardmäßig 120 Pesos (= 6 €) kostet.
Was jetzt noch aussteht, ist die Zoll- und Drogenkontrolle, zu der man – so die Info – mit nur einem Vorlauf von 1.5 Std. informiert werden könnte. Insofern hieß es ab dann: Handy im Blick haben, denn Cevertam informiert einen per What’s App. Wir hatten damit gerechnet, daß wir erst einen Tag später jene Info erhalten würden, aber noch am gleichen (Abgabe-)Tag – abends ca. 21 Uhr – erhielten wir die Info, daß unser Zolltermin am nächsten Tag um 10 Uhr sei.
Am Abgabetag hat Cevertam noch ein Foto von unserem Fahrzeug im Hafen, inklusive Verweis auf uns in ihrem Insta-Kanal veröffentlicht. Dies, entgegen unseres Wunsches, denn wir wollten nicht, daß für mögliche Diebe offensichtlich ist, mit welchem Schiff und zu welchem Zeitpunkt wir verschiffen. Wir hatten Cevertam darauf hingewiesen und um Löschung gebeten, welche nicht umgesetzt wurde. So haben wir die Löschung via Insta in Auftrag gegeben.
Der Tag der Zoll- und Drogenkontrolle von Patsha: Wir waren überpünktlich schon 8 Uhr am Cevertam Büro und haben davor gewartet. Wir hatten mit den Agenten zuvor vereinbart, daß wir beide im Hafen registriert werden, damit wir zu zweit jener Kontrolle beiwohnen können. Unsere Kisten im Stauraum sind tlw. so schwer, daß sie nur zu zweit getragen werden können. Und es scheint überhaupt kein Problem zu sein, daß wir beide dabei sein dürfen. Mit Cevertam fahren wir zu Patsha – natürlich, nachdem wir vor Ort wieder registriert worden sind – und warten. Als die Dame vom Zoll auftaucht, heißt es sofort: Alles ausräumen, ALLES!!! Zumindest alles aus den äußeren Staufächern und Unterflurboxen. Und leider gab es Verwirrung und wir bekamen unterschiedliche Anweisungen von allen Beteiligten, wo wir was deponieren sollten. Zunächst sollte es neben das Auto gelegt, aber nicht an das Auto angelehnt werden. Dann sollten wir die Sachen hinter’s Auto räumen, dann aber nicht gruppiert, sondern in Reihe(n). Also, Tipp für alle, die hier verschiffen möchten: Am besten Eure Sachen an EINER Stelle in der Nähe Eures Fahrzeuges hinlegen, aber in mehreren Reihen, mit viel Platz dazwischen. Die Reihen jedoch möglichst schmal halten und Sachen nicht stapeln. Der Grund ist: Der Drogenhund braucht Platz und muß um diese Reihen herumlaufen können. In der prallen Sonne haben wir mehrfach unsere gefühlte Tonne an Zuladung umgeräumt. Und natürlich durften unsere Dachboxen auf dem Fahrerhausdach auch nicht fehlen. Im Inneren mußten alle Schränke geöffnet werden. Hier war es gut, daß auch wir mit in den Wohnbereich reingingen, denn es wurde an Schrankverschlüssen gerüttelt, um sie aufzubekommen, und mit unserer Kühlschrankverriegelung kam ebenfalls keiner klar. Die Dame vom Zoll prüfte dann alles händisch und danach war Chaos! Unsere grauen Plastikboxen wurden tlw. ausgeräumt; Filter aus den Kartons herausgerissen(!); Dinge woanders hingelegt; Werkzeug aus den Werkzeugkoffern herausgenommen; Klamotten aus den Schränken geräumt; unsere Polster lagen irgendwo. Wir hatten sie mehrfach gebeten, sorgfältiger mit unseren Sachen umzugehen, aber dies blieb ungehört. Dass der Platz außen zudem alles andere als sauber ist, könnt Ihr Euch denken. Wir ersparen Euch an dieser Stelle eine Sounddatei mit unseren Flüchen. Danach hieß es für uns: Eine Stunde Warten auf den Drogenhund; in der prallen Sonne; ohne Sitzmöglichkeit, und diesmal hatten wir auch kein Wasser zum Trinken dabei. Weiterer Tipp für Euch! Als der Hund endlich auftauchte, ging’s zügig los. Schwanzwedelnd um unsere ganzen Gegenstände herum, und dann sahen wir ihn auch schon von außerhalb auf unserem Bett umherturnen. Der Durchgang zum Fahrerhaus mußte zuvor geöffnet werden und so war er dann auch schwups vorne drin. Dann noch einmal von außen alles an Patsha absuchen. Wenn, dann war das das Highlight des heutigen Tages! Aber dann: Dann kam das Low-Light! Nämlich die rigide Anweisung: Jetzt aber ganz schnell alles wieder einräumen und einer von uns sollte drinnen anfangen, der andere draußen, denn wir sollten uns sehr beeilen und man hätte keine Zeit mehr! Wir waren fassungslos, hatten aber schon mit so etwas gerechnet. Wir haben uns beeilt, ja, aber wir haben zu zweit gearbeitet. Wir mußten Herr dieses Chaos werden, die Sachen erstmal wiederfinden, denn sensible Fzg.-Ersatzteile wie Papier-Dichtungen können wir nicht einfach irgendwo reinstopfen, denn dann wären sie kaputt. Wir haben – hoffentlich! – alles wiedergefunden und einigermaßen gut wieder eingeräumt. Warum sollte man die Dinge vor Fzg.-Abgabe rüttelfest verstauen und Fotos machen, wenn danach pures Chaos herrscht? Gut, daß wir uns noch eine kleine Checkliste gemacht hatten, um nichts zu vergessen, z.B., daß wir den Wohnkoffer wieder verschließen. Es wurde wirklich hektisch, aber wir haben dennoch mit unserem eigenen Versiegelungsband – denn man hatte wohl nichts vor Ort – unsere Außenklappen selber versiegelt. Und dann hieß es: Good bye, Patsha! Wir sehen uns auf der anderen Seite vom Darien Gap!
Der Vollständigkeit halber: Kurz danach hat Cevertam erneut ein Foto von unserem Fahrzeug in Instagram eingestellt. Zwar galt dies nicht uns, sondern einem anderen Reisepaar, welches verschifft, aber Patsha war deutlich im Hintergrund zu erkennen, und auch unsere Dinge, die wir herausgeräumt hatten. Wir hatten erneut Sorge, daß mögliche Langfinger durch die Zurschaustellung unseres Equipments angelockt werden. Wir haben sofort angerufen und 10 min. später wurde das Foto modifiziert und wir herausgelöscht. Wer dies genauso wie wir nicht gutheißt, sollte seinen Verschiffungsagenten sehr deutlich darauf hinweisen, daß er diese Art der Publicity nicht möchte.
Der Tag nach der Zollkontrolle: Cevertam hat uns bestätigt, daß der Zoll unser Fahrzeug für die Verschiffung freigegeben hat und wir das Land verlassen dürfen. Zwischenzeitlich hatten wir unseren Flug nach Panama – als auch die Weiterreise nach Kolumbien – gebucht. Wir beobachten weiterhin unseren Verschiffungsplan, denn dieser hat sich um einen Tag vorverlegt (=Ankunft in Cartagena). Wir dachten, es gäbe immer nur Verspätungen… Tja, jetzt ist unser Hinflug nach Cartagena am gleichen Tag wie die Einreise von Patsha – zumindest laut Planung. Hoffentlich sind wir immer noch in-time vor Ort. Zumindest auf dem Weg nach Veracruz scheint unser Schiff planmäßig zu sein. Wir warten jetzt auf die Frachtrechnung, mit der dann später weitere Dokumente angefordert werden können. Die Agentin von Cortes Rodriguez in Kolumbien hatten wir zwischenzeitlich bereits kontaktiert und wir konnten erste Dokumente für die spätere Zollfreigabe unterschreiben. Auch braucht sie das SOAT für Kolumbien, die spezielle Haftpflichtversicherung (ausschließlich für Personen, nicht Sachschäden), ohne die man keine Fzg.-Importgenehmigung bekommt.
Wir werden unsicher: Als sich auch einen Tag nach ursprünglich geplanter Abfahrt aus Veracruz immer noch keine Bewegung in den Schiffstrackern zeigt – und dies schon seit einer Woche, nach vorherigem Stopp in Cartagena -, kontaktieren wir erneut Cevertam. Wir erhalten die Antwort, daß das Schiff tatsächlich verspätet im Hafen angekommen ist. Und wenige Stunden später die Bestätigung: Patsha ist an Bord (23.12.). Yeah! Jetzt kann es losgehen. Daß dann doch „überraschend“ Weihnachten kommt und das Schiff doch noch 3 weitere Tage im Hafen liegen wird, da „Pause“ ist, wissen wir zu jenem Zeitpunkt noch nicht. Mit 4 Tagen Verspätung zum geplanten Termin, letztendlich 3 Tage nach „Onboarding“ von Patsha, startet dann die Victoria Highway in Richtung Altamira, ihrem nächsten Stopp in Mexiko.
Jetzt heißt es nur noch für uns: Patsha, halte durch bis Kolumbien! Liebe Einbrecher, verschont uns! Und: Panama, wir kommen!






























































