Fast 15 intensive Monate waren wir in ganz Mexiko, haben 25 Bundesstaaten bereist, wobei die Zeit auf der Baja hier mit eingerechnet ist. Ein Länderfazit über die Baja California hatten wir bereits verfaßt, d.h. in diesem Artikel geht es ausschließlich um unsere Erfahrungen auf dem Festland. Ein lange Zeit, in der wir so viel gesehen und erlebt haben, und für uns Mexiko zu einem unserer Lieblingsländer geworden ist, wenn nicht sogar DAS Lieblingsland. Warum, werdet Ihr hier lesen können. An dieser Stelle zunächst jedoch der Verweis auf unsere Route: HIER.
Beginnen wir also wie gewohnt mit den weniger subjektiven Faktoren:
- Wetter: Selten hatten wir Temperaturen unter 10 Grad; aufgrund der jahreszeitlichen Saison eher alles von 20-45 Grad. Und da wir auch in der Regenzeit unterwegs waren, hatten wir, nein, nicht viel Regen – der kam entweder schon davor oder danach -, aber immens hohe Luftfeuchtigkeit. Wie erleichtert waren wir, als wir dann nach knapp 2 Monaten wieder in der Höhe ankamen und es angenehmer wurde. Dadurch, daß Mexiko alles von Meereshöhe bis um die 3000 m Höhe bietet – abgesehen natürlich von noch höheren Höhenlagen wie in den Vulkan- oder Berggegenden -, ist auch wettertechnisch alles drin: Von Pazifik- oder Golf-Küstenklima, über extrem trockenes Wüstenklima, bis zu Frostnächten in den Bergen. Nur Schnee haben wir in ganz Mexiko vermisst. 😉 Da Mexiko auf der einen Seite zwar sehr groß ist, aber sich im Zentrum das Hochland befindet, kann man immer wieder in die Höhe ausweichen, wenn es einem zu unerträglich wird – wenn auch nicht innerhalb weniger Fahrstunden, aber innerhalb weniger Fahrtage. Glück hatten wir, daß wir keinen Hurrikan erleben mußten, denn wir waren auch zu jener Saison da. Selbst von den Überschwemmungen, die im Herbst `25 einige Regionen heimgesucht hatten, haben wir nichts mitbekommen – und dies, obwohl wir in einem benachbarten Bundesstaat waren. Bei uns kam zu jenem Zeitpunkt nur normaler Starkregen an. Allerdings hatten wir einige spektakuläre Gewitter während unserer Reise, die wir hauptsächlich und glücklicherweise blitzgewaltig in der Ferne beobachten durften. Diese Blitze waren manchmal sogar waagerecht, was wir bislang noch nie erlebt hatten.
- Stellplätze: Mexiko ist kein Freisteh-Land, d.h. man fährt meistens von Campingplatz zu (kostenpflichtigem) Stellplatz. Nicht, weil es gefährlich wäre, aber häufig ist alles Privatgrund/Felder oder Wege sind abgesperrt, oder ein Pfad führt immer wieder zu einem Haus, oder es gibt keinen freien Platz für unsere Größe (z.B. in den engen Gassen von Dörfern). Insofern wußten wir meistens, wo wir am Ende eines Fahrtages landen werden und hatten auch sehr oft schon vorab Kontakt mit den Betreibern aufgenommen. Keiner jener Plätze war so voll, daß wir keinen Platz bekommen hätten, im Gegenteil. Wenn man Reisende trifft, dann nicht unterwegs auf der Straße, sondern auf jenen Plätzen, die dennoch nie vollgepackt waren. Wir haben sie dennoch gefunden, die Freistehplätze. Auch dank des Stellplatzführers von Howis-Web. An die Einmaligkeit und spektakuläre Szenerie von Kanada oder den USA reichten diese jedoch bei weitem nicht heran, eher die Kategorie „nett“. Da waren die Plätze auf der Baja deutlich schöner. Diese Plätze sind auch selten einsam: Sei es ein Dorf, welches in der Nähe ist, oder Bauern, die nebenan wohnen. Manchmal war es auch so, daß uns Locals an jenen Plätzen aufgesucht hatten, um uns zu warnen, daß es nicht sicher sei, wobei wir uns nie unsicher gefühlt hatten. Wir denken, sie sind um Reisende besorgt und möchten, daß man ihr Land in guter Erinnerung behält. Die Preise der kostenpflichtigen Plätze halten sich aber in Grenzen: Zwischen 5 und 20 € pro Nacht ist alles dabei, wobei die allermeisten unserer besuchten Plätze im unteren Drittel lagen. Fast alle unsere besuchten Plätze konnten nur in bar bezahlt werden.
- Wasser: Wasser hatten wir in erster Linie auf den Campgrounds befüllt, manchmal auch an einer Tankstelle, selten an einem Agua Purificada Shop. Wir hatten den Eindruck, daß es selten Trinkwasser war, aber dank unseres Filtersystems haben wir es in solches umwandeln können. Wir haben darauf geachtet, daß wir immer rechtzeitig befüllen, denn es war nie klar, ob der nächste Campground Wasser hat, insbesondere aber, ob mit genügend Druck. Insofern hatten wir eingeplant, lieber öfters zu befüllen, als plötzlich in einen Engpaß zu laufen. Die Kosten hierfür können wir nicht gesondert beziffern, da sie im Übernachtungspreis enthalten waren. Die Menschen in Mexiko holen ihr gesamtes Trinkwasser aus den Agua Purificada Shops; insofern sind diese absolut bezahlbar. In der Region um San Cristobal hatten wir jedoch auf’s Befüllen verzichtet: Die (älteren) Warnungen in iOverlander berichteten von Salmonellengefahr und wir wollten kein Risiko eingehen. Ob dies jedoch immer noch so ist, können wir nicht sagen.
- Strom: Also, dies war unser kleinstes Problem; wir haben sogar mehrfach mit über 7000 Wattstunden am Tag neue Rekorde eingefahren. In Mexiko hatten wir auch das erste Mal unser 110 Volt Ladesystem ausprobiert, als wir knapp 2 Wochen in einer Werkstatt standen. Wir waren mega erleichtert, als dies funktionierte, denn in Deutschland konnten wir dieses nicht testen.
- Müllentsorgung: Man mußte schon manchmal erfinderisch sein bzw. gute Augen haben, wo man seinen Müll fachgerecht loswird, denn öffentliche Mülleimer – auch auf Supermarktplätzen oder bei Tankstellen – sind selten. Papier oder andere Verpackungen nach einem Einkauf haben wir daher direkt immer im Mülleimer innerhalb des Supermarktes entsorgt, um dieses nicht unnötig mitzuschleppen. Wir haben i.d.R. versucht, unseren Müll an den Campgrounds zu lassen. Zu unserer Überraschung haben manche sogar getrennt, um insbesondere Glas und Aluminium separat zu sammeln, evtl. sogar weiterverkaufen zu können. Generell haben wir eher früher kleinere Mengen Müll entsorgt, als später größere. Mexiko gehört zu den Ländern, an denen Müll auch überall am Straßenrand, sehr häufig auch auf Freistehplätzen liegt. Leider muß man sich daran gewöhnen. Nicht gewöhnen konnten wir uns jedoch an die täglichen oder abendlichen „Müll-Verbrennungsaktionen“ sämtlicher Art des Abfalls der Anwohner, die teilweise ganze Ortschaften mit giftigen Schwaden einräucherten. Und wenn es dann noch so heiß ist und man die Fenster nicht schließen kann… Während wir als Reisende am nächsten Tag dann einfach weiterziehen, so müssen die Bewohner mit diesem klar kommen, denn zumeist liegt es einfach daran, daß es keine Müllabfuhr gibt. Was ist sonst die Alternative für sie?
- Lebensmittel: In erster Linie haben wir im Walmart-Billig-Ableger Bodega eingekauft. Es ist schon schön, nicht immer wieder neu nach Produkten suchen zu müssen und man verspürt eine gewisse Routine, auch wenn die Märkte nicht immer gleich eingerichtet sind. Man darf sich jedoch nicht darauf verlassen, daß die am Regal angebrachten Preise stimmen, zumal das identische Produkt z.B. mehrere Preisschilder haben kann. Ab und an war auch mal ein Chedraui oder Soriana dabei, um mal etwas Abwechslung zu haben, wobei sich dieses nicht immer gelohnt hat. Anfänglich waren wir dort, um auch mal (gute) Brotwaren zu kaufen, aber final kamen wir mit den leckeren Brötchen und Brot im Bodega auch zurecht. In San Miguel de Allende waren wir dann jedoch im City Market und damit im sprichwörtlichen Schlaraffenland! Wir haben in ganz Mexiko keinen so gut sortierten, mit leckeren Produkten bestückten Supermarkt vorgefunden. Schade, daß wir hier nur mit dem Uber und unseren Rucksäcken waren, ansonsten… 😉 Aber klar: Dies hatte dann auch seinen Preis. Generell empfinden wir die Preise – im Vergleich zu Deutschland – als recht hoch, vielleicht 2-3x so teuer, bei deutlich weniger Auswahl. Insbesondere cremigen Honig, Wurstwaren, oder günstige Süßigkeiten haben wir vermisst. Selbst, wenn ein Regal über 2 m Regallänge Wurst anbietet, so ist es meistens irgendeine Form von Fleischwurst oder Kochschinken, dafür von 4-5 verschiedenen Herstellern. Dafür gibt es in Mexiko wieder H-Milch, nicht nur frische Milch, die gekühlt werden muß. Auf der Yucatan Halbinsel mußten wir auch leider feststellen, daß sehr oft die Kühlkette unterbrochen war, denn Tiefkühlartikel waren ungenießbar. Im Vergleich zu den nördlichen Nachbarländern empfanden wir das Sortiment generell als sehr begrenzt. Sehr vieles ist mit „exceso sodio“ oder „exceso calorias“ beklebt, aber mangels Alternativen kann man faktisch gar nichts anderes nehmen. Eine heißgeliebte Schoko kostet um die 4-5 €, insofern fand diese nur sehr selten Platz im Einkaufswagen. Unseres Erachtens ist die Qualität – hier insbesondere Obst und Fleisch genannt – nicht besonders gut. Vielleicht hätten wir hier eher bei kleineren Geschäften, Märkten oder Ständen am Straßenrand zuschlagen sollen. Generell ist im Supermarkt „Flanieren“ angesagt: So sind die Gänge oft zugebaut und man läuft mit seinem, nicht besonders hygienischen Einkaufswagen in Schlangenlinien umher. Wenn man dann meint, daß jetzt Platz ist, kommt ein anderer Einkaufender von rechts oder links daher, und dieser hat ZEEEEIT! Oder auch Gruppen von Verkäufern/-innen gesellen sich zum Plausch zusammen. Prinzipiell ok., nur wenn die Tiefkühlware im eigenen Wagen zu schmelzen beginnt, beginnt der eigene Streß. Man sollte auch noch Zeit für die Kasse einkalkulieren, denn meistens sind nur sehr wenige besetzt – es gibt jedoch sehr häufig Selbst-Scan-Kassen, jedoch nur für bis zu 20 Teile -, und generell kann es dauern. Mexikaner kaufen häufig nur kleinere Mengen ein, während wir versuchen, immer für 1-2 Wochen zu bunkern. Am Ende des immer viel zu kurzen Kassenbandes, also, hinter den Kassierern/-innen, stehen sehr oft Rentner/-innen, die die durchgelaufene Ware in einen anderen oder den eigenen Wagen legen, oder einem die eigene Ware einfach nur angeben. So dauert es meistens noch länger, denn die Ware geht final durch gefühlt 6 Hände, bevor sie wieder im Einkaufswagen landet. Erwartet wird hier in der Regel ein kleines Trinkgeld. Alle unsere Einkäufe haben wir immer mit Kreditkarte ohne Aufschlag von Gebühren bezahlt.
- Dieselpreis: Diesel ist viel teurer als in den USA – vielleicht mit Ausnahme von Kalifornien. Insofern sind wir bereits mit vollen Tanks aus Texas angereist. Die Preise variierten von 1.18 – 1.36 € /l, wobei diese an den Tankstellen über Tage, wenn nicht Wochen hinweg, stabil sind. Wir hatten erst eine schlechte Dieselqualität befürchtet, aber den Cetan Booster, den wir uns in den USA besorgt hatten, brauchten wir hier nicht. Generell waren die Zapfsäulen und -pistolen in sauberem Zustand, nicht so wie im nördlichen Nachbarland. In Mexiko kann man zwei Dinge nicht; einer davon ist: Ohne Sprit Liegenbleiben! Die Tankstellendichte ist extrem hoch, und manchmal liegen sogar mehrere Tankstellen direkt nebeneinander, auf beiden Straßenseiten; manchmal sogar zwei nebeneinander derselben Marke. Zudem werden viele weitere (staatliche) neu gebaut. Man muß sich nirgendwo Gedanken machen, zu wenig Sprit an Bord zu haben, denn die nächste Tankstelle ist nie fern. Bis auf ein einziges Mal konnten wir immer mit Karte zahlen, und alles lief immer korrekt ab. Sehr oft hat man uns zur Bestätigung dann auch noch einmal den korrekt eingegebenen Betrag am Kartenlesegerät vor Bezahlung gezeigt.
- Daten/Internet: Seit geraumer Zeit haben wir ein Starlink System an Bord. Zunächst mit unbegrenztem Datentarif; für die letzten 2 Monate hatten wir auf den limitierten 50 GB Vertrag umgestellt, mit welchem wir – selbst bei Zukauf von Daten – dabei günstiger wegkamen. Zusätzlich hatten wir uns eSIMs besorgt, wobei ein Telcel Vertrag wichtig ist, denn die AT&T Abdeckung ist grottenschlecht. Im Telcel Shop haben wir diese eSIM nicht bekommen – in Mexiko sind physische SIM-Karten der Standard -, sondern wir haben uns diese bei einem Provider besorgt.
Und unsere subjektiven Eindrücke:
- Straßen: Hier gewinnt Mexiko definitiv keinen Punkt von uns! Wie oft haben wir über die Straßenzustände geflucht, und dies selbst auf mautpflichtigen Straßen! Und wir haben einige hundert Euros an Maut ausgegeben, auch wenn wir immer versucht haben, zu argumentieren: Nein, wir sind kein LKW, wir sind ein WoMo! … damit wir nicht noch mehr bezahlen mußten. Im Vergleich zu den höchsten Mautpreisen in Europa haben wir hier bestimmt an das 3-fache bezahlt. Die Verkehrswege wirken alles andere als gepflegt: Tiefe Schlaglöcher, halsbrecherische Abbruchkanten quer über die Straße, bröckelnde Teerflicken, … Man muß jederzeit aufpassen, daß man seinen Reifen oder seine Achse nicht schrottet, während die LKWs mit überhöhter Geschwindigkeit an einem vorbeidonnern, um am nächster bergauf Stelle wieder den nachfolgenden Verkehr zu stauen. Sie sind einfach zu sehr beladen. Eine durchgezogene Linie in der Mitte heißt auch nicht, daß man dort nicht überholen darf, denn wenn der Seitenstreifen i.d.R. auch für den fließenden Verkehr mitgenutzt wird, kann der andere Verkehr natürlich in der Mitte überholen. Selbst bei Gegenverkehr, so daß aus eigentlich 2 Fahrstreifen plötzlich „vier“ entstehen. Mexikaner fahren unseres Erachtens zwar sehr schnell und mit beliebiger Interpretation vorhandener Regeln, aber niemals aggressiv. Was die Oberleitungen und Äste anbelangt, hatten wir anfänglich erst den Eindruck: Oh je, so tief für uns. Insbesondere immer wieder bunte Fähnchen über den Wegen in den Ortschaften. Aber nachdem wir aus Guatemala und El Salvador wieder zurückkamen, hat sich dieses Gefühl etwas relativiert. Nichtsdestotrotz mußten wir jederzeit aufpassen, um nichts mitzunehmen, insbesondere, wenn man sich durch enge Ortschaften zwängt. Und unsere „Hochhebehilfe“, die aus einer Teleskopstange mit aufgesteckter Astgabel besteht, war regelmäßig im Einsatz.
- Fahren in Mexiko bedeutet auch immer wieder: Topes! Wir wissen nicht, ob diese zuerst da waren und dann die Shops daneben entstanden und sich fliegende Händler gruppierten, oder waren erst die Shops und Verkäufer da, und dann wurden die Topes gebaut…? So oder so werden wir keine Freunde mit diesen „Bumps“. Man hat uns versichert, daß diese notwendig seien, damit die Mexikaner gerade in den Ortschaften nicht zu schnell fahren, aber muß man wirklich Topes an Steigungen bauen? Oder auch Topes außerhalb von Ortschaften, auf Schnellstraßen, an bergauf Stellen? Ein Graus für das Fahren mit unserem LKW.
- Wir haben einige Militär- und Polizeikontrollen erlebt, allesamt freundlich. Korruption war bei uns definitiv niemals ein Problem. Vom Militär wurden wir häufig durchgewunken, die Polizei wollte dann zumeist unsere Papiere kontrollieren, die wir zeigten, jedoch nicht aus der Hand gaben, was bis auf ein einziges Mal akzeptiert wurde. Freundlichkeit und Respekt gegenüber den Autoritäten sind natürlich wie immer Voraussetzung.
- Flora & Fauna: Wie zuvor erwähnt: Mexiko ist groß und besitzt daher landschaftlich eine enorme Vielfalt: Berge und rauchende Vulkane, Strände am Meer, prärieartige Steppen mit Kakteen, tiefe Canyons, ruhige Seen, heiße oder azurblaue Quellen, nicht zu vergessen: Die Cenoten. Ab Chiapas südwärts konnten wir dann auch wieder Wald – und dann gleich den Dschungel – erleben. In den Meeresregionen dagegen herrschen Palmen aller Art vor. Was die Tierwelt angeht, so haben wir so viele unterschiedliche Arten von Vögeln und Schmetterlingen gesehen, daß wir sie gar nicht mehr aufzählen können. Wobei die Beobachtung der vielen Monarchfalter schon etwas Besonderes war. Insbesondere die Aras und Kolibris haben es uns angetan. Wir haben viele Leguane, aber auch Kaimane und Krokodile gesehen. Und auf der Dschungelroute bleiben uns die friedlichen Brüllaffen und die quirligen Spider-Monkeys in toller Erinnerung. Mit Straßenhunden hätten wir tatsächlich öfters gerechnet, was aber eher selten der Fall war. Worauf wir aber gut und gerne hätten verzichten können: Alle Arten von Mücken! Ob groß, klein, mit langen Beinen oder nur in Punktgröße: Trotz Einsprühens war es öfters eine Qual und unsere Mückengitter konnten nicht alle abhalten.
- Landestypische Küche: Wie oben beim Punkt „Diesel“ erwähnt: Man kann zwei Dinge nicht in Mexiko, und der zweite Punkt ist: Verhungern! So viele Imbissstände – Comedores – entlang der Straße; so viele Restaurants in Ortschaften. Aufgrund gerade der Gelegenheit, daß ein Restaurant auch öfters in der Nähe eines Stellplatzes war, haben wir ausgiebig die mexikanische Küche getestet. Von Tortillas – die wir auch sehr gerne selber gemacht hatten -, über Empanadas, Gorditas, Tamales, Burritos, Tacos, … haben wir uns durch die heimische Küche geschlemmt; natürlich war auch Fisch dabei. Jedoch muß ich zugeben, daß für mich (=Tanja) die Mahlzeiten irgendwann recht „ähnlich“ wurden, d.h. entweder etwas mit Hähnchen oder Schwein, oder irgendeiner Form von Teigwaren. Auch wenn wir uns an die Bohnenpaste gewöhnt hatten und sie lecker ist, dominiert sie neben Reis doch häufig die Mahlzeit. Was anfänglich ganz interessant war, war zum Schluß der vielen Monate dann für mich nicht mehr so abwechslungsreich. Boris hingegen empfand die mexikanische Küche als sehr vielfältig; vielleicht, weil er auch probierfreudiger ist als ich, vor allem in Richtung Fisch- und Meeresfrüchten sowie schärferen Gerichten. Kleiner Tipp für alle, die Radler mögen: Probiert doch gerne eine leckere Michelada, ein Gemisch aus Limetten, gewürztem Tomatensaft und Bier.
- Leute: Wir ändern bewußt in diesem Länderfazit die Reihenfolge unserer Punkte, denn: Es war nicht die landschaftliche Vielfalt, sondern die Menschen, die uns eingenommen hatten!!! Wir können es nicht anders beschreiben als: Die Mexikaner haben ein riesengroßes Herz! So viele wundervolle Begegnungen, die wir erleben durften, so viel Offenheit und Entgegenkommen, so viel Neugierde und Interesse an uns und unserer Art, zu reisen, so viel Gastfreundschaft! Wir, die wir nur mit minimalstem Spanisch als „extranjeros“ daherkommen, wurden überall mit offenen Armen empfangen und willkommen geheißen! Selbst auf einer privaten Familienfeier, anläßlich des 15.ten Geburtstages ihrer Tochter, dem Tag des Erwachsenwerdens, durften wir mit dabei sein. All‘ dies für uns keine Selbstverständlichkeit!
- Nehmen wir die Situation, in der wir Sharon und ihre Familie kennenlernen durften, als Beispiel: Wir sitzen auf unseren Stühlen im Schatten unsers LKWs, als Sharon mit ihrer Familie – ihren Eltern und ihren zwei ebenfalls erwachsenen Geschwistern – auf uns zukommt. Sie begrüßen uns alle mit Handschlag, stellen sich namentlich vor, und möchten wissen, woher wir kommen. Sie erzählen uns, daß sie in einem der kleinen Nachbarorte leben. Es entwickelt sich ein sehr nettes Gespräch, und man nimmt Rücksicht darauf, daß unser Spanisch nicht das Beste ist. Man spricht langsam, formuliert deutlich und beschreibt, was man meint. Wir lachen viel. Am Ende, nach so ca. 15 min., verabschieden sich alle von uns mit einer Umarmung, und heißen uns nochmals in ihrem Land willkommen. Kurze Zeit später kommt Sharon mit ihrer Familie wieder, und gibt uns ein kleines Geschenk: Sie möchte, daß wir Mexiko in guter Erinnerung behalten, und fragt uns nach einem gemeinsamen Foto. Herzlich gerne! Die Verabschiedung erfolgt natürlich wieder mit allen mit einer lieben Umarmung! Auch wenn wir nie wieder voneinander hören werden, so bleiben uns Begegnungen wie diese in Erinnerung. Wir empfanden Mexiko als ein sehr offenes Land gegenüber uns als Reisenden, wobei ab Chiapas ostwärts es wichtig ist, als offensichtlicher Fremdkörper den ersten Schritt zu tun. Ab dann scheint einem das Lächeln entgegen. Wir können Euch daher nur empfehlen: Bereist dieses Land mit seinen wundervollen Menschen!
- Was wir jedoch witzigerweise gelernt haben, ist: Mit „mucho gusto“ zeigen einem beide Seiten, daß für sie ein Gespräch beendet ist, und machen es daher einem sehr leicht, sich auf freundliche Art und Weise zu verabschieden. Und noch etwas, was wir gelernt hatten: Auch wenn es Begriff wie „un momentito“ oder „ahorita“ gibt, und man nicht weiß, wie lange man dann auf etwas warten muß, z.B. wenn man in einem Geschäft bedient werden möchte oder in der Werkstatt wartet, so ist unsere Erfahrung, daß Mexikaner pünktlich sind. Wir wurden nie versetzt, oder es hat mit unserem Zeitverständnis nie zu lange gedauert. Wir würden sogar so weit gehen, zu sagen, daß zur heutigen Zeit Mexiko zu den deutlich pünktlichsten Ländern der Welt gehört.
- Land: Wir sind dankbar, daß wir so viel Zeit in diesem faszinierenden Land verbringen durften, auch wenn wir natürlich Verzögerungen durch diverse Werkstattaufenthalte sowie Warten auf Ersatzteile gerne vermieden hätten. In Summe hatten uns diese Umstände 3 Monate unserer Reisezeit gekostet, wobei dies natürlich relativ ist und – leider! – auch zu solch‘ einem Leben mit dazu gehört. Aber auch in diesen Momenten: Wir wurden immer sehr zuvorkommend behandelt und je länger wir in einer Werkstatt waren, desto mehr fühlten wir uns, zur „Familie“ zugehörig. Mexiko ist so groß, so vielfältig, so anders, und die Menschen machen es einem leicht, anzukommen. Auch wenn die nördlichen Nachbarstaaten warnen, dieses unsichere Land aufgrund Korruption und Kriminalität zu bereisen, so haben wir während unserem Mexiko-Aufenthalt nichts dergleichen erlebt. Wir versuchen jedoch auch, uns angepaßt zu bewegen, respektvoll gegenüber jedermann und nie arrogant oder protzig zu sein. Fasziniert waren wir nicht nur von der landschaftlichen Schönheit, sondern auch den vielen Maya-Stätten, die wir besucht hatten, wobei die Schöneren für uns nicht zu den Unesco-Weltkulturerben gehörten.
- Einen Punkt, den wir jedoch nicht vorenthalten möchten, ist: In Mexiko werden häufig Parzellen oder Straßenränder angezündet und Feuer brennt unkontrolliert. Man erklärte uns mal, dies ist zum „Beseitigen“ von Ratten oder Wurzeln in Feldern, bevor neu angesät wird. In einer anderen Situation hieß es uns gegenüber, man möchte fruchtbares Land in Ödland verwandeln, um hier bauen zu dürfen. Aber warum die Feuer auch sehr oft entlang von Straßenrändern brennen, haben wir nicht herausgefunden. Eine Sache, die wir absolut nicht nachvollziehen können.
- Aufgrund unserem langen Aufenthalt im Land gab es natürlich – oder leider! – diverse Krankheitsgeschichten, und Arztbesuche waren unumgänglich. Wir waren in öffentlichen, normalen Krankenhäusern, als auch bei diversen, privaten Ärzten. Bis auf ein Mal, wo die Ärztin überhaupt nicht das Equipment hatte, einen zu behandeln, und daraufhin auch eine absolut falsche Diagnose gestellt hatte, waren wir zufrieden. Man muß sich jedoch auf – im Vergleich zu Deutschland – höheren Kosten einstellen, auch wenn dies überhaupt nicht mit jenen extrem hohen in den USA oder Kanada zu vergleichen ist. An dieser Stelle paßt der Einschub mit What’s App (WaP) ganz gut: Nicht nur Arzttermine kann man prima per WaP organisieren, sondern auch jeglichen anderen Kontakt: Mit Apotheken, Werkstätten, Campingbetreibern, usw. So kann man prima in Ruhe, mithilfe eines Übersetzungsprogrammes auf Spanisch kommunizieren und erhält i.d.R. auch immer verläßlich und zeitnah eine Antwort.
- Mexiko ist bunt, vielfältig und sehr herzlich! Gleichzeitig laut und chaotisch! Es ist einfach nicht unseres, wenn Musik immer in vollster Dezibel Stärke aus den teilweise fahrbaren Lautsprechern dröhnt, oder aus den Eingängen von Geschäften. Man wird regelrecht taub dabei. Dennoch sind wir froh, immer 6 Monate Aufenthaltsgenehmigung erhalten zu haben, denn dies bedeutet keinen Streß beim Bereisen, insbesondere wenn mal etwas nicht klappt oder wir nicht zügig unterwegs sind. In einem kürzeren Urlaub wird man natürlich nur ein paar Facetten kennenlernen können, aber selbst dann ist es dieses Land wert, besucht zu werden. Man muß auch nicht zwingend zum Zeitpunkt des Dia de los Muertos dorthin reisen, den wir zwar außergewöhnlich und interessant empfanden, aber rückblickend nicht das einzige Highlight unserer Reise war.
Wer jetzt das Video und die Bilder sieht, wird feststellen, daß diese VOR denen in Veracruz, und damit dem letzten Blogartikel, sind. Wir möchten jedoch unser Länderfazit als letzten Beitrag zu Mexiko veröffentlichen und haben daher bewußt diese Reihenfolge gewählt. Wir wünschen Euch jetzt viel Spaß damit!
































































































































































































